Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 7. An der Schwelle der Kriege 1848—1849

65 vereint zum Schlagen zu bringen und die erste moderne Vernichtungsschlacht zu gewinnen, obwohl die anwesenden Monarchen ihre Befehlshaberrechte ausübten und die verbündeten Feldherren alles eher als gefügige Unterführer waren. Es gibt jedenfalls zu denken, — immer in Anlehnung an unser Grundthema vom Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung — daß einer der allergrößten Feldherren, Kaiser Napoleon I., zuerst bei Aspern und dann bei Leipzig österreichischen Feldherren unterlag, obwohl er selbst weder über­geordneten Monarchen zu gehorchen, noch auf verbündete eifersüchtige Feldherren zu schauen, noch mit einem angeblich so hemmenden Hofkriegsrat im Rücken zu rechnen hatte, der niemals der Armee solche Kräfte zuführen konnte wie der allgebietende Kaiser der Franzosen seinem eigenen Heere. Am Ende der Franzosenkriege gibt es noch eine aufschlußreiche Angelegenheit zu erwähnen, die den Hofkriegsrat wieder von einer neuen Seite her zeigt. General der Kavallerie Kien au ließ am 11. November 1813 den in Dresden kapitulierenden Marschall St. Cyr nach Frankreich abziehen, ohne zu wissen, daß Schwarzenberg die Kapitulation anders geordnet haben wollte. Der Hofkriegsrat sollte nun auf Schwarzenbergs Ver­langen gegen Klenau einschreiten, doch ergriff der Hofkriegsrat nach eingehender Prüfung der ganzen Sachlage Partei für Klenau, da dieser nach bestem Wissen und Gewissen einwand­frei gehandelt habe. Fürst Schwarzenberg fügte sich diesem Verdikt 1). 7. An der Schwelle der Kriege von 1848 und 1849. Die letzten Jahrzehnte des Hofkriegsrates und die erste Zeit des nachfolgenden Kriegsministeriums verbindet die Gestalt des F. M. Grafen Radetzky, der wohl nicht dem Hofkriegsrat angehört hat, aber durch seine Tätigkeit mit diesem enge verbunden ist. Im Jahre 1813 führte den Oberbefehl über die verbündeten Heere Feldmarschall Fürst Schwarzenberg und diesem war als Generalstabschef Radetzky beigegeben. Wir wissen schon, daß es mehrere Faktoren waren, mit denen Schwarzenberg zu rechnen hatte: die verbündeten Monarchen und Staatsmänner wie auch der Hofkriegsratspräsident Bellegarde hatten ihren Anteil am Gang der Geschehnisse. Innerhalb dieser Kräfte stand Radetzky an der Seite Schwarzenbergs, belastet mit der größten Verantwortung, denn Sieg oder Niederlage gingen schließlich auf Rechnung der militärischen Führung. Schon gelegentlich der Besprechung in Trachenberg, die den Operationsplan der Ver­bündeten zum Inhalt hatte, gelang es Radetzky den Anmarsch der vier Heere nach seinen Gedanken in die Wege zu leiten und damit die Grundlage für die Einkreisung Napoleons bei Leipzig zu schaffen. In der Entscheidungsschlacht selbst griff Rädetzky mitbestimmend ein und wieder war er es, dem es nach dem großen Siege gelang, die verbün­deten Monarchen von der Notwendigkeit der Fortsetzung der Operationen über den Rhein hinweg zu überzeugen. Eine solche, die Ereignisse grundlegend beherrschende Tätigkeit wäre ganz unmöglich gewesen, wenn der Hofkriegsrat ausschließlich das Wort zu führen und der Feldherr — hier Schwarzenberg mit Radetzky — keine Entschlußfreiheit gehabt hätte. Radetzky befaßte sich auch mit der Frage der militärischen Spitzenorganisation und trug seine Reformideen in einem Mémoire ,,das Heerwesen Österreichs beleuchtend“ 1809 in seiner Eigenschaft als General quartiermeister dem Oberkommandanten Feldmarschall Fürst Liechtenstein vor* 2): Darin heißt es u. a.: „Wenn man die Kriege, welche Österreich geführt hat, durchschaut... so bemerkt man ein auffallendes Immerwiederkehren der nämlichen Ereignisse, der nämlichen Ursachen, b Angeli. „Die Kapitulation von Dresden 1813“ in „Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs“, 1881, S. 131 ff. 2) „Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs“, 1884, S. 361 ff. 5 Regele: Hofkriegsrat 65

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