Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)
III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 6. Die Franzosenkriege 1792—1815
der Kaiser gleichzeitig dafür, daß aus dem Oberbefeld von Preußen keine solche Rolle gespielt werde, „die für uns verkleinerlich ausfallen könnte“. Die für Braunschweig ausgestellte Instruktion besagte: „Obzwar das Generalkommando beider gegen Frankreich bestimmten Armeen dem Herzog soweit übertragen ist, daß die Anlegung der Magazine und die Detailexekution des angenommenen Planes einmütig verabredet und zwischen beiden Generalen alles dieserhalb in Erwägung gezogen und bestimmt werde, so wird jedoch dem Fürsten Hohenlohe einzig und allein obliegen, die Führung der Armee Sr. Apostolischen Majestät zu übernehmen, für deren Disziplin und Verpflegung einzig und allein zu sorgen, auch während des Laufes des Feldzuges aller günstigen Gelegenheiten sich zu bedienen, um den erwünschten Endzweck: Die Wiederherstellung der Ordnung und Ruhe in Frankreich zu befördern, jedoch von allen Vorfallenheiten den Herzog zu benachrichtigen, welches dieser gegen den Fürsten von Hohenlohe aufs genaueste zu erwidern haben wird. Sollten wichtige Abänderungen im Plane des Feldzuges erforderlich werden, durch feindliche Unternehmungen oder durch andere Zufälle, so wird der Herzog mit dem Fürsten Hohenlohe über die vorzunehmenden Abänderungen sich zu konzertieren haben“ x). Der Operationsplan für das Jahr 1792 entstand am Fürstenkongreß zu Mainz vom 19. bis 21. Juli. Österreich hoffte durch seine Zustimmung zur Wahl Braunschweigs als Oberkommandierenden Preußen zu tatkräftiger Kriegführung anzuspornen. Erzherzog Karl erkannte schon damals, daß in einem so großen Kriege die straffe militärische Oberleitung eine Hauptvoraussetzung für den Erfolg sei und schlug deshalb dem Kaiser am 17. Juli 1792 vor, einen Kriegsminister zu ernennen. * 2) Das folgende Kriegsjahr brachte die Konferenz von Frankfurt am Main, wo in Gegenwart des Preußenkönigs der Operationsplan verhandelt wurde. Wir sehen also, daß sich der Schwerpunkt der großen Strategie nicht im Hofkriegsrat befand, sondern in Besprechungen zwischen den Staatsoberhäuptern, den Leitern der Außenpolitik und militärischen Fachmännern. 1793 wurde der Sieg von Neerwinden erfochten und es empfiehlt sich, dessen Zustandekommen zu beleuchten. Der Oberbefehlshaber Prinz Josias von Koburg wollte die Schlacht abbrechen und zurückgehen, doch der Generalstabschef Oberst Mack und Erzherzog Karl boten alles auf, um den Prinzen zur Fortführung der Schlacht zu bewegen, was auch gelang und zum Siege führte. Sieg oder Niederlagen wurden daher nicht immer von Kaiser, Hofkriegsrat oder Oberfeldherr entschieden, sondern auch von Unterführern oder Unterorganen, die sich durchsetzten. Deutlich trat Kaiser Franz 1794 als oberster Kriegsherr in Erscheinung. Er begab sich in das Hauptquartier nach Valenciennes, wo unter der Mitwirkung von Thugut, Koburg und Mack als General-Quartiermeister am 15. April die Operationen beraten wurden. Am 19. Mai folgte in Tournai ein Kriegsrat unter des Kaisers Vorsitz, an welchem noch Thugut, Mack, Clerfayt und Mercy teilnahmen. Der Kriegsbeitrag Österreichs, Preußens, Englands und der Niederlande inußte in Einklang gebracht werden. Nach der Abreise des Kaisers führte wieder Koburg, nach diesem Clerfayt den Oberbefehl, u. z. in jeder Hinsicht selbständig. Stark beeinflußt wurde die militärische Führung vorzüglich durch Thugut: „Thugut brauchte Heerführer, die stets sofort bereit waren, sich in den Dienst der Diplomatie zu stellen. . . militärische Möglichkeiten zu erwägen, war nicht seine Sache. Mit einer Starrheit ohnegleichen hat er an der Überzeugung festgehalten, daß seine Ideen auch mit unzureichenden Mitteln endlich zur Tat werden müssen. . .“ 3). Auch 1795 hielt der Kaiser alle Fäden in seiner Hand. Wie sehr er gegen Kriegsräte — soweit es sich nicht um die unvermeidlichen gemeinsamen Festlegungen des großen Feldzugsplanes handelte — eingenommen war, beweist seine Meinung über den Kriegsrat vom 16. bis 17. Jänner 1795, der im Hauptquartier des Reichsfeldmarschalls Herzog Albert *) „Kriege unter der Regierung des Kaisers Franz“, II., S. 96 f. 2) Criste. „Erzherzog Karl. . .“, I„ S. 58. 3) Criste. „Erzherzog Karl...“, I„ S. 147. 61 61