Oskar Regele: Ergänzungsband 1. Der österreichische Hofkriegsrat 1556-1848 (1949)

III. Der Einfluß des Hofkriegsrates auf die militärische Führung. - b) Beispiele aus der Kriegsgeschichte - 2. Der Türkenkrieg 1683—1697

53 2. Der Türkenkrieg 1683 —1697. Von 1668—1681 verwaltete Montecuccoli den Hofkriegsrat und der 1683 ausbrechende Türkenkrieg bewies, daß die Amtszeit dieses Präsidenten eine fruchtbare gewesen war. Wie wenig sich ein großer Feldherr durch Widerwärtigkeiten beeinträchtigen läßt, zeigte Montecuccoli selbst u. a. bei der Bekämpfung des Aufstandes in Ungarn. Sowohl der Geheime Rat als auch die Hofkammer boten alles auf, um den Kaiser von einer Aktion gegen die Rebellen abzuhalten, Montecuccoli schritt jedoch energisch gegen die Aufständischen ein und stellte die Ordnung „ohne Auslagen und ohne Blutvergießen“ wieder her *). Er gab damit ein lehrhaftes Beispiel, wie sich der Feldherr des Hofkriegsrates richtig zu bedienen habe und wurde derart bahnbrechend für die militärische Führung im kommenden großen Türkenkrieg. 1683 standen zunächst die Belagerung und der Entsatz Wiens im Mittelpunkt der entscheidenden Kampfhandlungen. In diesem Jahre hat es gar viele Anstände mit den Rüstungen gegeben, die Landstände waren mit ihren Abgaben an den Hofkriegsrat stark im Rückstand und die niederösterreichischen Stände verlangten sogar sechs v. H. Zinsen. Die Ausrüstung und Verpflegung Wiens vor der Belagerung besorgten der Hofkriegsrat und der Kaiser, der persönlich die dringendsten Maßnahmen verfolgte. Während der Hofkriegs­ratspräsident F. M. Markgraf Hermann von Baden im Hauptquartier des Entsatzheeres an der Entsatzschlacht rühmlichen Anteil nahm, blieb in Wien der Hofkriegsrat unter seinem Vizepräsidenten F. Z. M. Zdenko Graf von Kapliers. Dieser führte im belagerten Wien das geheime Deputierten-Kollegium (Kapliers-Starhemberg, n. ö. Landmarschall Graf Mollart, n. ö. Regiments-Kanzler von Hartmann) und über seine Tätigkeit berichtet das Kriegsarchiv* 2): ,,In der Tat reihen sich die Leistungen und Verdienste desF. Z.M. Kapliers würdig an jene Starhembergs an und sein Namen muß billiger weise auch genannt werden, wenn von der glorreichen Verteidigung Wiens im Jahre 1683 Erwähnung geschieht.“ Die Verteidigung Wiens und dessen Entsatz gehören zu den mustergültigsten Kriegs­operationen aller Zeiten. Es war nicht nur die heldenmütige Abwehr der eingeschlossenen Festung Wien, die allgemeine Bewunderung erregte, auch das rechtzeitige Aufstellen und Heranführen des Entsatzheeres, Anlage und Durchführung der Entsatzschlacht, nicht zu vergessen die diplomatisch geschickt erfolgte Überlassung des Oberbefehles an den rang­mäßig hiezu berufenen König Sobieski bei Wahrung der militärischen Führungsinteressen durch den Herzog von Lothringen — sollte an allen diesen Erfolgen auf einmal der Hof­kriegsrat gänzlich unbeteiligt gewesen sein ? 1686 galt es, die Belagerung von Ofen als Haupt-Operationsziel festzulegen. Der Präsident des Hofkriegsrates Hermann von Baden hatte sich gegen die Belagerung aus­gesprochen, doch entschied sich der Kaiser für sie und dabei blieb es. Allerdings war noch eine Schwierigkeit zu beseitigen, die den Feldzug in Frage zu stellen drohte. Der Kurfürst von Bayern wollte nämlich zuerst Stuhlweißenburg belagern und es bedurfte der mühevollsten Überredungskünste und sogar der persönlichen Intervention des Hofkanzlers Graf Stratt- mann, um den Kurfürsten umzustimmen. Auch dies gelang nur unter der Zusage, der Kurfürst könne sein Korps beim Angriff auf Ofen nach eigenem Gutdünken verwenden 3). Solche Hindernisse waren zu jenen Zeiten Jahr für Jahr zu überwinden und es war stets ein steiler und weiter Weg, der zum einheitlichen Handeln am Schlachtfeld führte. Bemerkenswert waren die Beziehungen zwischen dem Markgrafen Ludwig von Baden, der 1689 bis 1692 das kaiserliche Oberkommando in Ungarn führte, und dem Hofkriegsrate. Am 10. Mai 1689 erhielt der Markgraf seine Instruktion, welche nachfolgende Sätze enthielt 4): J) Veltzé. „Ausgewählte Schriften...“, 111., S. 393. 2) „Das Kriegsjahr 1683“, Wien 1883, S. 36, 140 f. 3) „Die Eroberung von Ofen...“, Wien 1886, S. 31 f. 4) Angeli. „Die kaiserliche Armee unter dem Kommando des Markgrafen Ludwig von Baden in den Feldzügen 1689—1692 gegen die Türken“ in „Mitteilungen des k. k. Kriegsarchivs“, 1876, S. 135 ff. 53

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