Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Domonkos Illényi, Die Gestaltung der Position der sorbischen Nationalität in der DDR (1945-1975)
74 Massenorganisationen der DDR und die Verwaltung übernahmen die Repräsentation der sorbischen Interessen und die Domowina verpflichtete sich gegen Demagogie und den Separatismus, die nationale Verschlossenheit der Sorben anzugehen. Der ostdeutsche Staat bereitete der Germanisierung ein Ende und verplichtete sich die Nationalitätenkultur weiter zu entwickeln. Die sorbische Delegation, der Schrifsteller Jurij Bre^an - würdigte in seinem Gedicht - "Wie ich mein Vaterland fand" - das deutsch - sorbische Treffen. Brezan deckt in dem Gedicht die Apokalypse seiner Generation bis zu dem Tage auf, an dem die Sorben nach Berlin gelangtenP Der Schlussgedanke des Gedichtes beschwört das gefundene Vaterland herauf. Am 12. 9. 1950 wurde die Nationalitätenanordnung der Brandenburger Regierung erlassen, die an die Verfassung anknüpfend für mehr als 50.000 Sorben einen staatlichen Schutz ihrer Muttersprache garantierte, die freie kulturelle Tätigkeit und die Einführung des zweisprachigen Unterrichtes für die Sorbenkinder ermöglichte. Die Anordnung verpflichtete die Behörden und die Verwaltung, alle sorbischen kulturellen Initiativen in deutsch - sorbischen Gebieten wahrzunehmen und zu unterstützen. Die Domowina hat in diesem Geist das erste sorbische Volkstreffen in Bautzen veranstaltet, an dem auch W. Pieck, der Präsident der Republik teilnahm, und in seiner Rede beteuerte, dass alle angekündigten Massnahmen realisiert werden würden. Als bescheidenes Ergebnis darf verbucht werden, dass der sorbische Leser neben der Zeitung "Nova doba", neue sorbische Zeitungen zur Hand nehmen konnte, die zweisprachigen Aufschriften an den öffentlichen Gebäuden erlaubt wurden, die zweisprachigen Dorfnamen an die Schilder der Ortschaften kommen konnten usw. Am 27. / 28.3.1951 wurde der erste Bundeskongress der Sorben abgehalten. Der Kongress akzeptierte das politische System der DDR, die Ziele der alle Parteien umfassenden Nationalen Front und der SED betrachtete der Bund für realisierbar. Vor allem wünschte man die sorbischen Arbeiter, die in der sich schnell und extensiv entwickelnden Industrie ihren Platz suchten, zu gewinnen und im eigenen Interesse zu aktivieren. Laut neuem Grundstatut wurde der Bundeskongress das oberste Nationalorgan der Sorten, von dein auch das Präsidium der Domowina gewählt wurde. So wählte man als neuen Präsidenten der Domowina Kurt Krjenc, als Sekretär Jan Solta. Man fasste den Beschluss, die kulturelle Arbeit wirksamer zu machen und das Projekt eines neuen Schulsystems verwirklichen zu müssen.^ Im Schulwesen wurden zwei Schultypen ins Leben gerufen: Schulen des "A Typs", in denen fast alle Fächer sorbisch unterrichtet werden mussten. Solche Schulen wurden in Gebieten eingerichtet, wo die sorbische Bevölkerung "eine relative Mehrheit"