Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)
Imre Kelemen, Berührungspunkte zwischen Moral und Politik bei Machiavelli
67 Wendepunkt der Geschichte bringt immer solche Persönlichkeiten hervor, die zur Voraussicht und zum Handeln fällig sind. Diese Führer müssen aber auch mit dem Sturz rechnen und die Folgen auf sich nehmen. Der Erfolg der historischen Tat hängt gewissermassen davon ab, wieweit die handelnden Personen mit dem Erbe der Vergangenheit, mit den Traditionen brechen können, bzw., wieweit sie fähig sind, die sich aus der Vergangenheit ergebenden Lehren umzusetzen. Das moralische Urteil über die Geschichte ist letzten Endes falsch. Die Moral hängt immer u. a . von der Zeit und dem Ort ab, und sie kann nicht adäquat zur Beurteilung solcher Taten herangezogen werden, die sich in der betreffenden Epoche abzeichnen. Diejenigen,die zu führen vermögen, müssen im Vergleich zum Durchschnittsmenschen unbedingt herausragende Fähigkeiten haben. Machiavelli hat das sogar sehr gut gesehen. Hier zeigt sich bei ihm die Rolle der Geschichte besonders gut. Die Geschichte ist eine Beispielsammlung, die zeigt, ob die Folgen einer Tat allmählich die Tat selbst rechtfertigen. Das ist das einzige Kriterium des Erfolgs bzw. der Erfolglosigkeit des "Heros". Machiavelli benutzt auch kein anderes Beweismittel. Wenn die Geschichte also beweist, dass die Tat mit den Anforderungen der Zeit im Einklang steht, dann ist sie offensichtlich richtig. Wie kann das Individuum seinen Auftrag erfüllen bzw. dem Ziel nahekommen? Das Ziel besteht in der Vereinigung Italiens. Dazu sind solche Menschen zu suchen, die über Eigenschaften verfügen, die der Zeit angemessen sind. Diese Menschen sollten dann die wirksamsten Mittel wählen, die zum Erreichen des Ziels erforderlich sind. Es wird aber auch ein wichtiges Problem aufgeworfen: die Trennung der theoretischen Arbeit von der praktischen macht es beinahe unmöglich, dass der die Aufgabe Ausführende gleichzeitig auch die Mittel der praktischen Verwirklichung angibt. Auch Machiavelli kann schliesslich die nötigen praktischen Faktoren nicht nennen. Er weiss nur, dass es Mittel gibt, die in der I land jener "Idealmenschen" wirksam werden können. Auch jener Satz "Der Zweck heiligt die Mittel", der Machiavelli zugeschrieben wird, sollte hier behandelt werden. Machiavelli hat das in seinen Werken nirgendwo niedergeschrieben, aber mit einer gewissen Erläuterung kann es ihnen eigentlich entnommen werden. Worum geht es dabei? Machiavelli setzt sich ein Ziel, nämlich die Vereinigung Italiens. Dabei gibt es verschiedene Probleme, die der Theoretiker unbedingt zu lösen hat. Würden diese Probleme nicht gelöst, hätte das weitgehende Folgen. Wir haben darüber schon ol>en gesprochen. Die Mitlei auszuwählen, ist das wesentlich ernstere Problem, gemessen an der Festsetzung der Ziele. Ziele können gesetzt werden, aber einen Sinn hat dies nur dann, wenn die verschiedenen gegebenen wirtschaftlichen,