Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Vesa Dittinen (Helsinki), "Öko-Faschismus" - eine Fallstudie aus Finnland

47 spinozistischen - Sinne bedeutet auch der Anthropozentrismus nicht, dass der Mensch sich von der übrigen Natur isoliert: als Subjekt stellt er lediglich die natura naturans, d. h. die Natur in "zweiter Potenz", dar. Georg Henrik von Wright, der ja, wie wir sahen, Verständnis für die Ausgangsprämissen Linkolas zeigte, wenn auch nicht seine Schlussfolgerungen akzeptieren konnte, gab 1986 sein Buch Vetenskapen och förnuftet ("Wissenschaft und Vernunft") heraus, in dem auch er Stellung zur Möglichkeit der kommenden Ökokatastrophe nahm. Er unterscheidet drei mögliche Zukunftszenarien für die Menschheit; ähnlich wie Linkola, ist er nicht besonders optimistisch. Die erste Perspektive, "die ich nicht für unrealistisch halte" sei nach von Wright der Untergang des Menschen als zoologische Gattung. Die zweite ist, dass "der Mensch sich an Lebensformen anpasst, die von den meisten von uns heute als 'unmenschlich' angesehen werden". Die Öko-Diktatur Linkolas, in der "viel Unheimliches wünschenswert" werden soll, passt eben in den Rahmen dieser Alternative. Bei von Wright gibt es aber auch eine dritte Möglichkeit: dass es dem Menschen gelingt, die heutige destruktive Entwicklungsrichtung zu stoppen. "Meine Hoffnung, wenn ich eine solche habe, setzt auf einen Protest gegen die heutige Entwicklung, sozusagen von innen her, von der Kraft her, die ich auch als den stärksten Hebel der heute vorherrschenden Tendenz auffasse: von den rationellen Anlagen des Menschen her" (8). Mit anderen Worten, die Hoffnung besteht darin, dass der Mensch "ex ductu rationis" tätig sein kann. Man kann nun natürlich sagen, dass ein Denker wie Pentti Linkola aus dem fernen Finnland eine periphere Erscheinung ist und bleiben wird. Das ist auch sehr wahrscheinlich. Aber sein Auftreten scheint auch von etwas mehr Allgemeingültigem zu künden. Dieses allgemeinere Fazit besteht darin, dass die enorme Verschärfung der ökologischen und anderer globaler Probleme nicht nur den Marxismus wie er herkömmlich begriffen wurde, sondern auch den traditionellen Humanismus überhaupt in die Krise gebracht hat. Wie wir sahen, Linkola macht bitteren Spass über den Humanismus, der seines Erachtens ganz und gar unfähig und hilflos vor den riesengrossen Problemen unserer Zeit steht. Man kann ihm auch nicht die Konsequenz absprechen, wenn er den Humanismus über Bord wirft und andere Lösungsmöglichkeiten - eben die einer Öko-Diktatur - entwirft. Die ökologische Krise zeigt auch, welch ein grosses reaktionäres Potential in biologistischen Denkweisen und in darauf begründeten alternativen

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