Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Vesa Dittinen (Helsinki), "Öko-Faschismus" - eine Fallstudie aus Finnland

43 gar nicht: man müsse "den Hauptteil der Strukturen, Organisationen und Institutionen der industriellen Welt abbauen oder auf Sparflamme stellen" . Das künftige grüne Finnland, wie Linkola es möchte, soll wieder eine agrare Gesellschaft, ähnlich der der Jahrhundertwende werden. Durch Geburtenkontrolle wird das heutige 5-Millionen-Volk fortan unter eine Million gedrückt.Export und Import der Lebensmittel wird verboten, die Landwirtschaft soll autark sein und sich keiner Maschinen bedienen. Die Warenproduktion wird auf ein Prozent des heutigen Niveaus reduziert: dies habe zur Folge, dass "die meisten Industriezweige aufhören". Eine so angelegte grüne Gesellschaft kenne auch keine Sozialhilfe und werde nicht "Schwachheit oder Faulheit gönnen". Die Gewerkschaftstätigkeit soll aufhören, weil sie nicht mehr nötig sei in einer Gesellschaft von lauter Kleinproduzenten. Die Bevölkerung steht unter polizeilicher Aufsicht, damit sie nicht das ökologische Gleichgewicht zerrütte. Den Kindern wird schon in der Schule "die Tragödie des Menschen" beigebracht, die darin bestehe, dass "der Mensch, als ein 'zu begabtes' Wesen, auf der Erde mit 'abgeschnittenen Fittichen* leben muss. Er muss von vielen seiner Begierden Abstand nehmen (...) damit das Leben auf der Erde überhaupt fortbestehen kann" (4). Wie man sieht, hat diese skurrile Gesellschaftsutopie viele Züge gemeinsam mit den Kleinproduzent-Utopien von Rousseau, Sismondi oder der Narodniki. Aber dies ist nicht interessant. Das Entscheidende ist, dass die Zwecke und Ziele der grünen Zwangsutopie durch negative Termini definiert werden: um Fortschritt handelt es sich nicht, sondern um ewiges Stehenbleiben, um das Bezwingen der Hybris des Menschen mit allen Mitteln, damit es nicht zu einer Umweltkatastrophe kommt. Weiter weg vom Fortschrittsdenken der 60er Jahre kann man nicht gelangen. Es ist kaum verwunderlich, dass Linkolas Gesellschaftsprojekt von keinem ernst genommen wurde. Auch er selbst ist sich natürlich, während der ganzen Zeit der Unmöglichkeit der Durchsetzung seines Modells bewusst gewesen. Dennoch insistierte Linkola darauf, dass seine Schlussfolgerungen logisch einwandfrei aus den Prämissen einer drohenden Ökokatastrophe fliessen. Hier wurde er von massgebender Seite unterstützt: der angesehene Akademiker und Philosoph Georg Henrik von Wright äusserte in seinem Beitrag in der Zeitschrift Suomcn Kuvalehti seine Enttäuschung über das niedrige Niveau der öffentlichen Debatte in Finnland. Die schnelle und scharfe Ablehnung, die Linkola von allen Seiten her erfuhr, zeuge nach von Wright "in erschreckender Weise von der vollständigen Ahnungslosigkeit und der Abwesenheit des Willens, die Fragen zu verstehen, die die Zukunft der Menschheit betreffen" (5). Von Wright konstatierte, dass die Möglichkeit einer Ökokatastrophe völlig real ist, ganz

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