Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1990. Germanistiche Studien (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 20)

Domonkos Illényi, Das deutsche "fin de siécle": Gesellschaftstheorievon Georg Simmel

107 der aktiven Dimensionen des menschlichen Handelns führt; andererseits als Berührte durch die Wechselwirkungen, deren Untersuchung das Erkennen der passiven Dimensionen des menschlichen Handelns, des Erlebens und Leidens ermöglicht. Das letztere ist an und für sich ein solches Subsystem, das von der klassischen Gesellschaftstheorie vollauf den Symptomen gegenüber vernachlässigt wurde, die sichtbar, empfindbar und quantifizierbar sind. Die Individualitätstheorie von Simmel sucht zu beantworten, wie der Einzelne in der modernen Zeit seine Persönlichkeit behalten und bewahren kann, wie er sich entwickeln kann. Die Simmelsche Antwort darauf thesenhaft: je mehr Einzelne an verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Kreisen teilhaben, desto grössere Chancen haben sie ihre Persönlichkeit aufrechtzuerhalten. Die Persönlichkeit wird durch Aktivitäten und die gesellschaftliche Praxis zu vielseitigem Wesen, ihre Differenzierung spricht zwei Probleme notwendigerweise an: a. Ob der Einzelne der modernen Epoche fähig sei, komplizierte Bereiche seiner Persönlichkeit in ein Ich-Gefühl zu integrieren, ob er fähig sei, sich zusammenzuordnen? b. Ob differenzierte Persönlichkeiten miteinander in Kontakt kommen können, um ihre dynamischen Persönlichkeitsmerkmale gegenseitig nicht auszulöschen sondern zu bereichern? Simmel definiert den Prozess als "gesellschaftliche Tragik", der mit der Differenzierung der Persönlichkeit und zugleich mit der Entfremdung vom eigenen Ich und dem Anderen einhergeht. Deshalb ist es tragische, denn die Gesellschaft versucht, Bedingungen zur Entfaltung der Persönlichkeit zu bieten; dazwischen werden auch die Bedingungen der Entfremdung geschaffen werden."Die Freiheit des Einzelnen ist eine Freiheit solcher Art, durch die sich auch der Einzelne beschränkt fühlt".7 2. Kulturtheorie Unter dem Begriff Kultur versteht Simmel die Gesamtheit aller Ideale, mitinbegriffen auch die künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen. "Die Tragödie der Kultur" stellen für ihn die zwei korrelativen Zusammenhänge des kulturellen Konfliktes unserer Epoche dar, der eine sei das verwärtstreibende schaffende Leben selbst, den anderen bilden die strikten Gebilde der objektiven Kultur. Die Grundlage der "Tragtklie" kann der Gegensatz beider Faktoren sein. Beide Faktoren lassen sich mit eigener Dynamik entwickeln: das Leben ist die Hauptquelle und Triebfeder der kulturellen Änderungen, es übersteigt die verkrusteten kulturellen Formen, die von Zeit zu Zeit selbständig werden, und eine relative Unabhängigkeit geniessen. Es entsteht jedoch ein Konflikt vermöge des langsameren Entwicklungstempos der kulturellen Formen unter den sich schneller ändernden

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