Az Egri Ho Si Minh Tanárképző Főiskola Tud. Közleményei. 1972. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 10)

Erkenntnisprozeß in der pädagogischen Wissenschaft Das Wesen einer Erscheinung ist ,,das identische Element in einer Menge von Einzelerscheinungen, das feststehende Verhältnis in dem, was sich rasch ändert oder eine unruhige Form hat". Nach Marx ist das Wesen die „Substanz", der „innere Zusammenhang", die „innere Organi­sation" der Erscheinungen. Nun ist das in einem Begriff widergespiegelte Wesen „kein Abrücken von der lebendigen Vielfalt der Erscheinungen, sondern eine Zusammenballung ihres Wichtigsten, . . . gemäß der realen Wirklichkeit . . ." Das alles müssen wir bei der Formulierung pädagogischer Gesetze und Gesetzmäßigkeiten beachten. Im Prozeß des Erkennens des Wesent­lichen auch pädagogischer Erscheinungen umfaßt man zumeist zunächst das Äußere. Das kann aber nur der erste Schritt sein. Entscheidend ist die Frage: Wie realisiert sich in Erscheinungen das Wesen? „Die Zurück­führung des Äußeren auf das Innere und die Erkenntnis des Wesens er­folgt . . . keineswegs in einem einzigen Akt. In Wirklichkeit ... ist die Erkenntnis des Wesens ein mehrstufiger Prozeß" [14]. Dieser Prozeß ist ein Fortschreiten des Gedankens, um das Wesen eines Phänomens immer tiefer und gründlicher, eben wesensgemäßer, zu erfassen. Mancher zweifelt nun an der Wissenschaftlichkeit der Pädagogik, weil diese manchmal für unumstößlich gehaltene Erkenntnisse (Prinzipien, Merkmale) morgen präzisiert, verändert oder gar als überholt bezeichnet. Solche Zweifel an der Richtigkeit pädagogischer Erkenntnisse sind jedoch völlig überflüssig, weil sich die Pädagogik als Disziplin der marxistisch­leninistischen Gesellschaftswissenschaften in ständiger Entwicklung be­findet und neue Erkenntnisse in sich aufnimmt. Manche dieser Erkennt­nisse werden natürlich auch von Vertretern der Wissenschaft falsch ref­lektiert, nicht richtig eingeordnet, subjektive Irrtümer sind also nicht ausgeschlossen. Deshalb auch die Betonung der Forderung nach abge­sicherten wissenschaftlichen Ergebnissen. Es dürfte auch pädagogische Gesetze geben, die prinzipiell richtig sind, aber noch nicht präzise und wirksam genug das Wesen pädagogi­scher Erscheinungen widerspiegeln. Wir sollten uns trotzdem weniger mit pädagogischen Regeln behelfen, als vielmehr von pädagogischen Ge­setzen verschiedener Ordnung sprechen beziehungsweise nichtabgesicherte Teilergebnisse als solche ausgeben. Der wissenschaftliche Erkenntnisprozeß führt in der pädagogischen Wissenschaft nicht geradlinig zu allseitig abgesicherten und für allezeit geltenden Erkenntnissen, sondern über viele Zwischenstationen und Um­wege. Es geht um die Erforschung der Einheit und der Gegensätze von Wesen und Erscheinung auch pädagogischer Prozesse und Zusammen­hänge. Wie oft unterläuft uns in der praktischen pädagogischen Arbeit und auch in der Leitungstätigkeit der Trugschluß, daß ein einmal heraus­gebildetes und gefestigtes Kollektiv nun zu jederzeit und überall eben als Kollektiv auftreten muß? Wie oft übersehen wir neben der Einheit von Wesen und Erscheinung die Gesetzmäßigkeit ihres Gegensatzes? Ein 54

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