Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 2004. Band. 5. Germanistische Studien. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series)
MIHÁLY HARSÁNYI: Strukturelle Entwicklung mehrgliedriger deutscher Nebensatzprádikate im Gegenwartsdeutsch-Vorstellung eines Forschungsvorhabens
54 Mihály Harsányi Offensichtlich bereitet die Reihenfolge der Prádikatsteile in manchen dieser Sátze (vorwiegend mit viergliedrigen Prádikaten) sogar Muttersprachlern Schwierigkeiten oder zumindest Kopfzerbrechen. Womit lásst sich das nun erkláren? Zum einen spielt hier die Frage der Frequenz eine wesentliche Rolle. Da viergliedrige Prádikate wegen ihrer Kompliziertheit recht selten vorkommen, kann man in diesem Bereich mit Normunsicherheiten der Sprecher rechnen. 3 Zum anderen, da unsere Beispielsátze isoliert, d. h. ohne sprachlichen Kontext dargestellt sind, muss auch die Künstlichkeit der Situation betont werden. Der wichtigste Grund ist aber in der unbefriedigenden Normierung zu suchen. In den meisten Grammatiken gibt es leider keine differenzierte Beschreibung der variierenden Stellungstypen und -möglichkeiten. 4 Manche Grammatiker versuchen sogar strukturelle Phánomene der mehrgliedrigen Nebensatzprádikate intuitiv zu normieren, indem sie sich auf die eigene Sprachkompetenz stützen. Statt einer deskriptiven, auf empirischen Untersuchungen fufíenden Beschreibung stöíit man auf eine mangelhafte, mitunter der sprachlichen Wirklichkeit nicht entsprechende Behandlung des Themas. Engel áuftert sich auch kritisch über die Behandlung der Wortfolge in den grammatischen Handbüchern: „ Die Grammatiken weisen auf bevorzugte (mithin fakultative) Folgen hin, und wo doch stringente Regein angegeben werden, sind sie gelegentlich falsch" 5 Wenn wir auf die oben gestellte Frage nach der Wohlgeformtheit unserer Beispielsátze zurückkommen, stellt sich heraus, dass der Duden in dieser Hinsicht auch keine rühmliche Ausnahme bildet. Nach der DudenGrammatik sollen námlich alle angeführten Beispiele grammatisch richtig sein. Dieses Ergebnis überrascht besonders im Fall von Satz Nr. 4, den die meisten Deutschen wohl überhaupt nicht akzeptieren würden. 6 Lenerz meint 1981 zum Stand der Wortstellungsforschung: „Seit den Arbeiten von Engel zu Beginn der lOer Jahre habén sich kaum neue Beobachtungen zur Wortstellung des Deutschen ergeben. " 7 Diese ziemlich pessimistische Bewertung der Forschungssituation wird fünf Jahre spáter in Bezúg auf ein Teilgebiet der Wortstellungsforschung von Ebért wiederholt. Nach ihm gehört die Untersuchung der Stellung vom Verbum finitum und 3 Vgl. Mattausch (1965): S. 94: „ Vierteilige Verbindungen treten ihrer Ungefügigkeit und rhythmischen Einförmigkeit wegen nur selten in Erscheinung. u 4 Vgl. Mikolajczyk (1993) 5 Engel (1970): S. 59. 6 Vgl. auch Zeman (1988): S. 73. 7 Lenerz (1981): 6.