Az Eszterházy Károly Tanárképző Főiskola Tudományos Közleményei. 1994. Germanistische Studien. (Acta Academiae Paedagogicae Agriensis : Nova series ; Tom. 22)
Louis Rougien Die Hauptsache fur den Versprung des Westens
Es gibt Völker, die den Ansturm der Ereignisse passiv hinnehmen, ohne zu versuchen, darauf zu reagieren; sei es, daft sie sich auf die Tradition ihrer Váter berufen, die sie in einer Art von Weltverachtung zur Untatigkeit zwingt; sei es, daft sie sich auf ein geoffenbartes Buch beziehen - und man hat beim jüdischen Volk und beim Islam von "Kulturen des Buches" gesprochen; sei es schlieftlich, daft sie sich auf den Willen der Götter berufen, auf den Einíluft der Gestirne, auf das Schicksal, das von Ewigkeit her geschrieben steht und dem man nicht zuwiderhandeln kann. Es gibt Völker, die durch eine Flucht vor der Realitat, durch das Ausweichen in eine mystische Welt charakterisiert sind, ein Aus-weichen, das sich auf die Loslösung von den Gütern dieser Welt gründet, auf die Illusion der Individualist, auf ein Bemiihen, dem Rad der Wiedergeburten zu entgehen, indem man im Ali aufgeht Das trifft insbesondere auf die Kulturen Indiens zu. Die abendlándische Mentalitat dagegen ist dadurch gekennzeich-net, daft sie niemals den drohenden Herausforderungen ausge-wichen ist, sondern sich bemüht hat, sie zu überwinden; denn sie gla-ubte an die Möglichkeit, den Menschen zu vervollkommnen und die menschlichen Lebensbedingungen standig zu verbessern. Arnold Toynbee, der die Geschichte auf der Ebene der Kulturen und nicht, wie es herkömmlicherweise geschieht, auf der Ebene der Völker oder der Nationen zu beschreiben sucht, behauptet, es gebe immer einen Urmythos am Anfang einer jeden Kultur. Im Falle des Abendlandes ist es nicht schwer, diesen Mythos zu entdecken: es ist der Mythos von Prometheus. Prometheus ist der menschenfreundliche Titan, der sich gegen den Willen des Zeus auf-lehnt und das Feuer vom Himmel raubt, um das unglückliche Men-schengeschlecht zu retten, das der Herrscher 45