Diakonia - Evangélikus Szemle, 1993

1993 / 4. szám - Summary, Aus dem Inhalt

76 DIAKONIA Lutherische Rundschau Aus dem Inhalt Nach dem Zerfall des politischen Sys­tems der „kollektiven Gesellschaft” empfanden wir es als notwendig, mit dem Badewasser nicht auch das Kind auszuschütten, d.h. den positiven Inhalt des Wortes „Kollektiv” zu bewahren. Drei Studien zu diesem Themenkreis seien hervorgehoben. Der namhafte ungarische Psychiater Béla Buda hält in seiner Studie die in­dividualpsychologische Anthropologie für unhaltbar, weil die Isolation die Persönlichkeit desintegriert. Denn der Mensch sehne sich nach Akzeptanz und Anerkennung, er brauche zur Entfal­tung seines Ichs Aufmerksamkeit und Liebe. Bei den Krankheiten der mensch­lichen Persönlichkeit (Selbstmord, Al­koholismus) sei der Mangel an Gemein­schaft entscheidend und das wichtigste Heilmittel die Gruppe als therapeu­tische, selbstheilende Gemeinschaft. Derartige Erfahrungen können auch die Arbeit kirchlich geprägter Gemeinschaf­ten fördern. Pfarrer Sándor Cserháti jun. widmet sich dem weltweiten, aber auch im In­dividuum zu findenden Konflikt von Individualismus und Kollektivismus. Im jüdisch-christlichen Gemeinschaftsbe­griff sei dieses Dilemma einander aus­schließender Haltungen gelöst, weil die Gemeinschaft den Konflikt des Einzel­nen auf sich nehme. Auch in Gegen­satz mit dem Glauben der Gemeinschaft gelangend sei die Gemeinschaft des Glaubens erlebbar. In diesem Sinne ana­lysiert er M. Bubers und E. Brunners Theologie von der dialogischen An­schauung des Seins und seinem in der Gottesbegegnung erfahrbaren Wesen. Gegenüber dem heute so modischen Mystizismus mit seiner Suche nach „unio”, Vereinigung, zielt der jüdisch­Herausgegeben von der Lutherischen Kirche in Ungarn Redakteur: D. Imre Veöreös Stellvertretender Redakteur: László Bízik Schriftleitung und Verlag: H—1447 Budapest Postfach 500 Erscheint viermal jährlich. Bestellung an die obige Adresse. Abonnement pro Jahr: 720,— Forint. christliche Gedanke auf die „commu- nio” mit Gott und Mitmensch ab. Der Mathematiker József Merza, Ver­treter der römisch-katholischen Basis­gemeinde „Bokor”, stellt Geschichte, Grundprinzipien, Struktur und Tätig­keit dieses Gemeindemodells dar. Die um György Bulányi Ende der 40er Jahre entstandene und bis heute nicht aner­kannte Initiative litt in den 50er Jahren unter Verhaftungen und wurde in den 70er Jahren mit kirchlicher Hilfe de­savouiert, obwohl ihre Prinzipien, dem Geist des II. Vatikanischen Konzils ent­sprechend, von den Bewegungen des bürgerlichen Ungehorsams bis zum Um­weltschutz, zur Gewaltlosigkeit, zur Wehrdienstverweigerung und zahlrei­chen Formen karitativer Tätigkeit rei­chen. Er skizziert den Prozeß, wie aus „Zweigen” von 5 bis 15 Personen schließlich ein „Strauch” wird, der sich an der breiten Skala literarischer, öku­menischer und politischer Aktivitäten der Gesellschaft beteiligt. Eine nicht-thematische, aber hochak­tuelle Frage behandelt die Studie des ordentlichen Theologieprofessors András Reuss über die „inspiratio”. Sein Weg führt zwischen fundamentalistischen und radikal kritischen Ansichten hin­durch. Nach der Begriffsklärung über­blickt er die biblischen Äußerungen, ihre theologiegeschichtlichen Deutun­gen, die Spannung zwischen historischer Kritik und Inspirationslehre und ge­langt bis zum Wirken des Heiligen Gei­stes heute. Die Inspiriertheit wird nämlich nicht durch ihre Herkunft, son­dern durch Zuverlässigkeit und Wir­kung beglaubigt, insofern sie ein Zeug­nis vom lebenden Christus ist. Außerdem bringen wir das vollstän­dige Inhaltsverzeichnis in englischer und deutscher Sprache.

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