VJESTNIK 5. (ZAGREB, 1903)
Strana - 116
116 jedes Forschers, Alles das, was er auf Grundlage des ihm zugänglichen Materials mühsam zusammengetragen, noch bevor die Parzen den Faden seiner Forschungen abgeschnitten, der allgemeinen Benützung zu übergeben. Wenn die Gegenwart verbraucht ist und die Zukunft uns nicht mehr borgt, zehren wir an den Erinnerungen der Vergangenheit. Deshalb erlaube ich mir, nachfolgendes Itinerar Ludwigs I. schon jetzt der Öffentlichkeit zu übergeben. Ein weiteres Abwarten neuer Quellen würde allerdings die Anzahl der Tagesdaten vermehren, — da ich aber von einer erschöpfenden Ausfüllung der vierzigjährigen Periode während meines vielleicht nur noch kurzen Lebens nicht einmal träumen darf, begnüge ich mich mit dem Bewusstsein, dass das Itinerar selbst in seiner gegenwärtigen Stärke immerhin ziemlich genügende Anhaltspunkte zur Beleuchtung des vorgesteckten Themas bietet. Das Itinerar der Königinen und sämmtlicher massgebenden Würdenträger musste selbstverständlich unberücksichtigt bleiben, da ein solches den Rahmen vorliegender Zeitschrift zu sehr in Anspruch genommen hätte. Bei dem Umstände, dass auch die geo graphische Terminologie der Periode Ludwigs I. im Vergleiche zur Arpadenzeit auf bedeutend sicherer Grundlage steht, sind in vorliegender Abhandlung auch die geographischen und chronologischen Erläuterungen auf das geringste Mass reduzirt. Schliesslich haben wir noch auf einen bei der Benützung des Itinerars sehr zu berücksichtigenden Umstand aufmerksam zu machen, auf den der verdienstvolle Karl Rath schon vor beiläufig vierzig Jahren mit Recht hingewiesen. So manche Angaben der Urkunden sind nämlich mit Bezug auf den Aufenthaltsort des Königs, bzw. auf den Ausstellungsort der Quelle nicht überall verlässlich oder unfehlbar. Wir finden in ziemlich zahlreichen Fällen als Ausstellungsort einen solchen angegeben, von dem wir mit Bestimmtheit nachweisen können, dass sich der Monarch an dem angegebenen Tage in demselben nicht aufgehalten. Den Nachweis bildet in solchen Fällen entweder eine chronistische oder urkundliche Quelle, aus der wir unwiederleglich wissen, dass sich damals der Aussteller anderswo befunden, oder aber der Umstand, dass eine an einem und demselben Tage ausgestellte Urkunde des Königs zwei verschiedene Aufenthaltsorte angibt. Die Erklärung dieses auf den ersten Anschein kaum glaublichen Umstandes liegt darin, dass der König vor irgend einer Abreise aus seinem letzten Aufenthaltsorte eine ihm bereits vorgelegte Angelegenheit erledigt und die königliche Kanzlei oder der Referent der betreffenden Angelegenheit die Urkunde im Namen des Königs ausstellte, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass dieser sich am Tage der Ausstellung der Urkunde bereits an einem anderen Orte befunden und ganz einfach jenen Ort als Ausstellungsort bezeichnete, wo eben die Expedition des Stückes erfolgte. Auf jede einzelne Urkunde, bei der sich diese Anomalie vermuthen oder nachweisen lässt, können wir in diesen Blättern aus Raummangel nicht hindeuten; ein prüfender Blick auf die Tagesdaten wird in den meisten Fällen den richtigen Thatbestand' errathen lassen ; aus den unmittelbar vor — und unmittelbar nachfolgenden Aufenthaltsorten wird man schliessen können, ob die Reise innerhalb des angedeuteten Zeitraumes gemacht werden konnte oder nicht. Auf solche Weise dienen die Aufenthaltsorte oft genug zur Bestimmung der Echtheit oder falschen Datirung einer Urkunde. Als allgemeine Regel mag hier noch gegeben werden, dass in solchen Fällen, wo eine Urkunde des. Königs an einem und demselben Tage an zwei verschiedenen Orten ausgestellt wurde und der eine der Beiden die ständige Residenz Buda oder Višegrad, der andere ein von.diesen beiden entfernter Ort ist, immer nur der letztere als wirklicher Aufenthaltsort des Königs zu betrachten sein wird. Mit Bezug auf die abgekürzte Bezeichnung der Quellen benützen wir in vorliegender Abhandlung die im Itinerar Stefans V. und Ladislaus IV. angewendeten Abkürzungszeichen.