ARHIVSKI VJESNIK 36. (ZAGREB, 1993.)
Strana - 141
F. H. Hye, Zur Geschichte des Staatswappens von Kroatien... Arh. vjesn., god. 36 (1993) str. 131-147 entstammen. Das vierte bzw. Mittelsiegel zeigt als Siegelbild das »Schachbrett« des Königreiches Kroatien, wobei in der seitenverkehrt zu lesenden Legende (eine Folge des unsachgemäß geschnittenen Siegelstockes!) mit Sicherheit lediglich das Wort »(r)egni« zu lesen ist. 44 Demnach handelt es sich dabei um das Amtssiegel eines Amtsträgers de Königreichs Kroatien (wohl des Banus) und zugleich um die erste nachweisbare Handhabung des Wappens von Kroatien in Kroatien selbst! Selbstverständlich zierte dieses Wappen in der Folge das Thron- und Münzsiegel König Ferdinands I. von 1531/58 bzw. dessen kaiserliches Nachfolgesiegel von 1558/64 45 sowie fortan stets die großen Siegel und andere Denkmäler der Habsburger. Für Gerard de Roo, einen maßgeblichen Historiographen des Hauses Habsburg, war es daher selbstverständlich, in den einleitenden heraldischen Teil seines Werkes »Annales rerum belli domique ab Austriacis Habpurgicae gentis principibus etc.« (Innsbruck 1592) auch das Wappen des »R(egnum) Croatiae« aufzunehmen und daran zu erinnern, daß dieses Land durch die Eheschließung des österreichischen Herzogs Albrecht V., des nachmaligen römisch- deutschen Königs Albrecht IL, mit Elisabeth, der Erbtochter König Sigmunds von Ungarn aus dem Hause Luxemburg an die Casa d'Austria gelangt war. Ein besonderes Denkmal im Zusammenhang mit unseren Ausführungen zur Geschichte des kroatischen Wappens stellt übrigens eine im Dreißigjährigen Kriege von den Schweden erbeutete österreichische Fahne mit dem kaiserlichen Doppeladler und einem Österreich-ungarischen Brustschild dar: Ihre waiß-rot geschachte Bordüre dürfte nämlich sehr wahrscheinlich darauf hinweisen, daß es sich dabei um die Fahne einer kroatischen Einheit gehandelt habe. Diese Fahne befindet sich heute im Königlich-Schwedischen Armeemuseum in Stockholm. Ein nur kurzfristiges Kapitel in der Geschichte des kroatischen Wappens hat Hugo Gerard Ströhl in der offiziösen »Österreichisch-Ungarischen Wappenrolle« (Wien 1890) angeschnitten, nämlich die Frage der Helmzier dieses Wappens, wozu auf der Grundlage des bis dato bekannten Abbildungsmaterials es nicht möglich ist definitiv zu entscheiden, ob Ströhl hier alten Vorlagen folgen konnte oder selbst innovativ tätig war. 46 Das sogenannte »Mittlere gemeinsame Wappen« der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie, welches Kaiser Franz Joseph I. endlich im Ja44 Original-Pergament im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien. Eine Abbildung dieser Urkunde bei Ivan Bojničić, Von den Anjou bis zur Neuzeit. In: Croatien und Slavonien, a. a. O., S. 65. Die graphische Wiedergabe dieses Siegels bei M. Grakalić, a. a. O., achte Seite nach S. 16 ist absolut unrealistisch! Eine Edition dieser Urkunde bietet Ferdo Šišić, Hrvatski Saborski Spisi. = Acta comitialia regni Croatiae, Dalmatiae et Slavoniae Band 1 (= Monumenta spectantia historiam Slavorum meridionalium Band 33), Zagreb 1912, S. 50-53, n. 44. Dieselbe Edition wurde neuerlich abgedruckt in der Encyclopaedia Croatica Tom. 3, Zagreb 1942. 45 O. Posse, a. a. O., Band 3, Tafel 21/n. 1 und Tafel 22/n. 4. 46 H.G. Ströhl, a. a. O., Tafel III. 141