ARHIVSKI VJESNIK 1. (ZAGREB, 1958.)

Strana - 364

zur Armee ist, und auch die Bevölkerung Wiens beruhigter sein kann. Ich glaube dies wird in jeder Hinsicht einen guten Eindruck machen, und in so einen entsheidenden Moment, wie wir jetzt ihn leben, ist es meiner Ansicht noch nothwendig, dass die Person des Monarchen nicht entzogen bleibe, son­dern seiner glücklichen und günstigen Persönlichkeit ein freier Spielraum gegeben werde. Das Volk ist moralisch gesinnt, und will und muss seinen Kaiser sehen, wenn es was leisten soll. In einer Stunde fahre ich nach Schönbrunn. Weiden hat sich fast bis an die österreichische Grenze zurückgezogen und eine feste Stellung eingenommen. Nach den Verstärkerungen die er erhalten, hat er jetzt 54.000 Mann streitbare Macht. Das für Marchfeld bestimmte Reservcorps ist grösstentheils schon angelangt, vor der Hand aber in Wien und der Umgegend in Garnison. Clam und Reischach sind aus Italien zur ungarischen Armee berufen. 1 Weiden scheint beruhigter zu sein, sieht jedoch immer sehr schwarz. Das Anlangen der russischen Hilfe zieht sich in die Länge. Kaiser Nicolais war in Moskau, und die Distanzen sind sehr Gross. Bisher ist es noch immer bestimmt, dass die Russen bei Dukla? einmarschieren, ob die von Krakau, bei Jablunka 2 oder auf der Eisenbahn bis ins Marchfeld kommen, und dann nach Ungarn marschieren werden, wird sich heute oder morgen entscheiden. Ich komme eben von Schönbrunn, wo wir Ministerrath unter dem Vor­sitz des Kaisers halten. Morgen ist grosse Kirchenparad und übermorgen wird der Kaiser wahrscheinlisch zur Armee gehen um die selbe zu besichtigen, und dann wieder zurückkehren. Morgen empfangt er die croatische Deputa­tion. Die Antwort wir gnädig und freundlich sein, ohne sich in Détailles ein­zulassen, was. in den gegenwärtigen Verhältnissen nicht möglich ist. Ich muss, dich auf den Slavianski Jug vom l*en May aufmerksam ma­chen. Es ist ein Artikl, der offen Verrath predigt, die dabei anfordert bei dem Südslaven ebenso zu handeln, wie Bern in Siebenbürgen. Solche Sachen hat man in der ärgsten Zeit in den magy ari [sehen] Zeitungen nur gelesen. Die Frechheit und der Unsinn der croatischen Presse hat bereits alle Grenzen überschritten, und deine Verfügungen die du, wie du mir einmal schriebst, hinsichtlich der Presse gethan hast, sind ganz wirkungslos geblieben, denn sie geht schon so weit, dass sie dir in einem cathegorischen Ton die Rolle des Rebellen Bern's zuweist, mit einer empörenden Geringschätzung von Öster­reich und der Regierung spricht, und offen den Verrath und die Selbststän­digkeitsgelüste zur Schau trägt. Die Radicalen und Ultrademocraten werden weder unser Vaterland glücklich machen, noch meinen sie es mit Öster­reich aufrichtig. Ich kann dir gar nicht sagen, wie unangenehm es mich be­rührt, wenn ich weiss, dass solche Wühler wie Berlić zu dir in einer Stellung sind, welche der Welt glauben macht, dass sie dein Vertrauen besitzen. So lange du Wühler zu Secrétairen haben wirst werden diese Leute nicht auf­hören ihre Hoffnungen auf dich zu bauen. Es gibt ja noch ordentliche Leute. Ich kann dir nicht meine Besorgniss unterdrücken, in welch schwieriger Lage du jetzt in politischer Beziehung bist. Ich sehe im Geiste alle die Intriguen und falschen Maneuvre die man machen wird, um auf deine Guthmüthigkeit und deinen Enthusiasmus der Art einzuwirken, dass du Versprechungen und Zusagen thust, die dich auf eine unwillkommene Bahn leiten, und bei den Serben und Südslaven überhaupt solche Hoffnungen anregen dürften, die mit dem Bestand der Monarchie unvereinbar sind. Die Serben sind sehr schlau. Nehme es mir nicht Übel, dass ich diese offene Sprache führe, du hast gewiss keinen besseren Freund, der es mit dir aufrichtiger und erlicher meinen könnte, ich folge dabei meinem inneren Drange und meiner aus der Erfa­— 364 -

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