ARHIVSKI VJESNIK 1. (ZAGREB, 1958.)

Strana - 338

In Frankfurth ist die preussische Kaiserwürde mit 30 Stimmen verwor­fen worden 7 . Die Confusion ist gross. Es ist die Hoffnung da, dass dort die Sache günstig für Oesterreich ausgehen wird. Frankreich und England werden in Bezug auf Italien sich neutral ver­halten. Uberhaupt muss man Schwarzenberg hinsichtlich seiner äussern Politique das vollste Lob zahlen; Oesterreich fängt wieder an eine geachtete würdevolle Stellung den anderen Mächten gegenüber einzunehmen. Bei allen besonnen und mit der Zukunft Österreichs es aufrichtig mei­nenden Leuten, macht die Constitution einen günstigen Eindruck. Als Haupt­oponenten tritten in Böhmen die Lipa mit ihren Organen und Anhängern auf, am boshaftesten, unverschämtesten und lügenhaftesten benimmt sich aber die Presse in Agram 8 . Ich will gar nicht der Verdächtigungen gegen das Ministerium und selbst einzelner malitiosen Angriffe und Äusserungen über den Kaiser, ferner der systematischen Aufwieglung der Grenze erwähnen, aber besonders auffalend ist die Art mit der unsere Zeitungen zum Wider­stand auffordern und ganz mit demagogischen Prinzipien voll auf eine unver­schämte Art mit ihren südslavischen, verräterishen mit dem Bestand Öster­reich unvereinbaren Separations-und Selbstständigkeits-Tendenzen nun her­vortreten, und dabei auf eine ebenso unkluge als boshafte Weise auf deine Unterstützung rechnen. Ich lese diese Zeitungen mit viel Aufmersamkeit und kann dir gar nicht sagen mit welcher Indignation sich mich erfüllen, und besonders dieser Umstand, dass alle diese Infamien und Tendenzen von einem halben Dutzend hergelaufenen Fremdlingen von R,edactoren als öffentliche Meinung der Nation in die Schuhe geschoben wurden, ohne dass« sich auch nur eine Stimme im Lande erheben würde, die diese schändlichen, mit der gros­sen Majorität der Nation, im Viderspruch stehenden Zumutungen zurück­weisen, und diese Canaille auf ihren wahren Werth reducieren wollte. Hier und in Wien machen diese Zustände in Croatien einen sehr unangenehmen Eindruck, und ich muss manches darüber hören. Es ist wircklich traurig, dass ein Paar Dutzend Wühler eine treue Nation vor der Welt so verdächtigen darf, und die Behörden ihren Einfluss meist zu schmutzigen Interessen und lei­denschaftlichen Zwecken benützend im Gefühle ihrer Erbäumlichkeit nicht den Mut haben dem Terrorismus dieser Wühler entgegen zu treten. Die dummen Leute, dies ist die Majorität, die muss endlich durch ein solches Benehmen der Behörden confuse gemacht auf solche Bahnen geführt werden, die sie sonst nie betreten hätten. Ordentliche öffentliche Organe sind daher eine Nothwendigkeit, und mir ist es doppel leid, dass du meinen Wunsch nicht berücksichtigt hast, und statt den Stano[j]ević gleich zum Professor der Philosophie in Agram zu ernennen einen Concurs ausschreiben liessest. Durch den Mann hätten wir eine conservative croatiche Zeitung in Agram gestiftet und sie mit Geldmitteln unterstützt. Nun kenne ich zu dieser Aufgabe niemand fähigen und verlässlichen. Ebenso habe ich Stauduar, dessen Zeitung auch ' unter der Exytik ist, seit er Prica die Redaction vertraut hat, nach Wien berufen, und ihm eine Unterstützung zugesichert, wenn er sich einen honeten Rédacteur nimmt, und sich von der Zeitungsbagage in Agram trennt. Ich bin nun neugierig was er leisten wird 9 . Ich sende dir die Ubersetzung eines Schreibens des Bischofs von Duvno an Bischof Kuković. Du wirst daraus den Zustand und die Stimmung in Bosnien und der Herzegovina, zugleich aber auch entnehmen können, welche Hoff­nungen unsere Wühler in den gedachten Provinzen angeregt haben, und wie dein Name von ihnen gebraucht wird. Das Handbillet von dem ich dir eine Erwähnung machte, habe ich schon und lasse durch Ožegović 10 die gehörige Expedition machen. Da aber die Constitution und das Manifest ins croatische noch nicht übersetzt sind, so kann ich diesen Gegenstand erst in wenigen Tagen senden. — 338 —

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