K. K. Zentral-Kommission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 6. (Wien, 1907)

Johann v. Diviš-Čistecky: Stadtarchive in Ostböhmen

Stadtarchive in Ostböhmen. 101 im Stadtarchive befindliche Quellen vielseitige Aufschlüsse über die damaligen Verhältnisse, Gebräuche und Sitten, sowie über sämtliche Lebensbedingungen der Handwerker und deren hochentwickeltes, peinlich und mit aller Strenge respektiertes Zunftwesen. Namentlich das in den Zunft­statuten aufbewahrte Material ist vom kulturhistorischen Standpunkte interessant. Ein Preloucer Rechtsbucli von 1488. Es ist uns gelungen, ein seltenes Manuskript aus Privatbesitz zu erwerben. Es ist ein schönes, deutlich geschrie­benes Buch aus dem Jahre 1488, behandelnd das sächsische (Magdeburger) Recht in seiner Anwendung bei der Juris­prudenz der Stadt Pfelouc. Der Anfang des Manuskriptes lautet (wörtlich und mit getreuer Wortfolge des böhmischen Originals) in deutscher Übersetzung wie folgt: „Diese Bücher sind die Bücher des sächsischen Weich­bild-Rechtes, wie solches Magdeburg genießt und die Hallenser, die hier Erlaubnis (oder Befugnis) zu dem Rechte entlehnen und die aus Leipzig in Halle und dazu viele Städte in der Markgrafschaft Meissen, die ihre Erlaubnis in Halle und in Leipzig nehmen“ 1). Am Ende des Manuskriptes heißt es: „Finis hujus operis, laudetur Deus, qui est in coelis. Ano Domini 1488, sabbato quatuor temporum in vigilia Thomae apostoli Christi“. Nun folgt der böhmische Text, worin Persönlich­keiten angeführt werden, die in damaliger Zeit der Gemeinde vorstanden. „Geschrieben sind diese Bücher zur Zeit des Stadt­richters („Rychtár“) Alexa und der Konsulen (Konssiel = Stadtverordneter) Wondraczek, kolczawa, Jan Haierz, Jan *) *) Der altböhmisclie Urtext lautet: „Tyto kniliy gsu knihy wikpildie prawa Sasyczkeho rzadu jakoz maytburg poziwa a hallissane genz swe swolenie prawa tu beru a ti z lipczyka w halb a ktomu mnoho miest y wtom markrabstwi w miessni genz swe swolenie v halb a wlipczyku beru.“

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