K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 4. (Wien, Leipzig 1899)

A. Czerny: Das neue Landes-Archiv in Linz und seine Ausgestaltung in der Zukunft

96 A, Czerny getroffen hat und die bis zur Aufhebung im Jahre 1792 bedeutend vermehrt worden sein muß, da Windhaag zu­gleich Sitz des Pfleggerichtes war? Ich fand im Jahre 1877 die noch übrigen Archivalien des aufgelassenen Klosters und des Pfleggerichtes theils in einer großen Kiste, theils in wüstem Haufen liegend unter dem Hausdach des Forst- Verwalters, darunter Briefschaften des Grafen Joachim und seiner Tochter, der ersten Vorsteherin des Klosters, Proto­kolle über ständische Sitzungen, Acten zur Bauern- und Adels - Rebellion im 17. Jahrhundert. Dort befand sich auch das wichtige Inventar aller Bücher und Actenstücke, welche einst zur Zeit Joachim’s im Windhaagischen Archive vorhanden waren. Der Förster erklärte sich selbst als Alter­thums - Liebhaber und alle Schriften für sein persönliches Eigenthum. Die Urkunden und Acten des ehemaligen Frauen- Klosters, der späteren Jesuiten Residenz Pulgarn bei Maut­hausen sind im Jahre 1837 in das Eigenthum St. Florians, welches die Herrschaft erwarb, übergegangen und dem Stifts - Archive einverleibt worden; die Verwaltungs- und Kanzlei-Acten der Herrschaft kamen in die Registratur des Hauses, einige wenige Schriften in das Museal-Archiv. Die Original-Urkunden des ältesten Klosters im Lande, der alten von Bergen umschloßenen Benedictiner - Abtei Mond see, sind längst verschollen. Das Archiv war einst reichhaltig und sorgfältig geordnet. Ein Beweis dafür sind die im ober-österreichischen Statthalterei-Archive noch er­haltenen Verzeichnisse Uber den Inhalt desselben. Leider ist durch Scartirung vieles ausgeschieden worden. Das Urkunden - Buch des Landes ob der Enns vermochte die ältesten Denkmale nicht anders als nach dem gedruckten Chronicon Lunaelacense und einem Copial-Buche, welches aus dem 15. Jahrhundert herrührt und im Wiener Staats- Archiv verwahrt ist, abdrucken zu lassen. Dort befindet sich auch der kostbare Codex traditionum Lunaelacensis, den wir als ältestes literarisches Fundstück Ober-Österreichs

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