K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 4. (Wien, Leipzig 1899)

A. Czerny: Das neue Landes-Archiv in Linz und seine Ausgestaltung in der Zukunft

Linzer Archiv. 101 und Adels-Geschlechter beziehen, oder die Culturzustände des Landes im allgemeinen beleuchten. Kremsmünster, einstens mit einem Besitzthum wie ein Fürstenthum aus­gestattet und seine Wurzeln bis in das 8. Jahrhundert bohrend, fand ich mit einem innern und äußern Archiv und einer großen Registratur ausgestattet. Der Wichtigkeit, welche man dem Archive beilegte, entsprach hier wie in Wilhering die Anlage in einem weiten gewölbten Raume im Erdgeschoße unter der Prälatur, so dass man zu diesem Schatze nur durch die Wohnräume des Abtes gelangen konnte. Die nöthigen Eigenschaften, hoch, geräumig, trocken, feuer- und einbruchsicher, fehlen nicht. Die Urkunden und die Actenbündel ruhen nach Materien abgetheilt in Schränken mit Schubladen, in der Registratur in offenen Regalen. Hier finden wir die Acta generalia zur Geschichte im all­gemeinen, die Personalien der Abte und Capitularen, die verschiedenen Zweige der Kloster - Verwaltung, Kirche, Gymnasium, Musik u. s. w., die Kloster-, Wirthschafts-, die Gerichts- und Verwaltungssachen der zur Abtei gehörigen Güter, Chroniken, Briefwechsel des Abtes und seiner Brüder. Viele Hunderte von Urkunden auf Pergament sehen wir jede einzeln in ihrem Papierumschlag ausgebreitet, welche Art der Bewahrung sich hier, wie in St. Florian, Wilhering, Lambach, Schlägl trefflich bewährt hat. Das Prälatenstands-Archiv des Landes ob der Enns wurde zur Zeit der hochgehenden Wogen der Reformation der Sicher­heit wegen nach Kremsmünster als den Sitz des Vorstandes übertragen, wo wir es noch gegenwärtig reich an Materialien zur Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts antreffen1). Sämmtliehe Archivalien der dem Stifte angehörigen Patrimonial-Gerichte wurden nach Auflösung derselben im *) *) Eine Beschreibung aller Schriften und Briefschaften, welche im Archiv des Prälatenstandes zu finden sind, aus der Feder des Hofrichters Fi n st er w al d e r von Kremsmünster anno 1676, besitzt im Originale das Archiv zu Schlägl. Commenda Materialien zur landeskundlichen Biblio­graphie Ober-Österreichs. Linz 1891. S. 139.

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