K. K. Central-Commission zur Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale 2. (Wien, Leipzig 1894)
Die Einrichtung eines Archives bei der k. k. Statthalterei in Nieder-Österreich
bei der k. k. Statthalterei in Nieder-Österreich. 247 halterei vorhandenen alten Acten und Urkunden aus und befürworteten auf das wärmste die Errichtung eines eigenen Archives bei derselben. Damit hatte dieser Gedanke erhöhte Lebenskraft gewonnen; er sollte nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden, bis er zum endlichen Siege geführt war. Noch innerhalb Monatsfrist erstattete der Statthalter dem Ministerium des Innern in der Sache eingehenden Bericht. Schwierigkeiten mancherlei Art, insbesondere finanzieller Natur verzögerten die Ausführung bis zum Jahre 1893. In die Zwischenzeit fallen provisorische Maßregeln zur Erhaltung der in den oben beschriebenen Kellerräumen deponirten Archivalien, die Errichtung einer Amts-Bibliothek der Statthalterei, sowie die Erlassung einer für die Zukunft der ge- sammten Actenbestände dieser Behörde sowie für die Fortbildung eines bei derselben zu errichtenden Archives sehr belangreichen neuen Ordnung der Acten - Scartirung. Da ähnliche Verhältnisse wie bei der nieder-österreichischen Statthalterei wohl auch anderwärts bestehen, dürfte es vielleicht angemessen sein, eine kurze Erläuterung dieser Ordnung hier einzufügen. Alle bisherigen Scartirungen hatten den Charakter von Nothmaßregeln, welche man ohne irgend welchen vorher bestimmten Plan ganz unregelmäßig von Zeit zu Zeit vornahm, so oft ein Bedürfnis nach Raum sei es für die Registratur oder für andere Zwecke sich fühlbar machte. Die Actenausmusterung, welche in solchen Fällen eingeleitet wurde, setzte stets bei den ältesten, oft 200 oder 300 Jahre alten Beständen ein, um sodann bis zu einem von der Gegenwart eine bestimmte Anzahl Jahre zurückliegenden Zeitpunkte fortgeführt zu werden. Wenn es Gepflogenheit war, zuerst stets nach den ältesten Acten zu greifen, so erklärt sich dies aus den für die Scartirung damals maßgebenden Rücksichten. Je älter die Acten waren, desto sicherer konnte man jede Beziehung zwischen ihnen und der Gegenwart erloschen glauben und desto beruhigter annehmen,