Urbs - Magyar várostörténeti évkönyv 8. (Budapest, 2013)

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326 Resümee ÁGNES FLÓRA Die Beziehung zwischen Klausenburg (Kolozsvár) und der Zentralmacht in den Jahrhunderten nach Mohács Als Hintergrund des guten Verhältnisses, das Klausenburg mit der Familie Szapolyai pflegte, vermutete die ältere Geschichtsschreibung, nationalitätenmäßige Ursachen zu entdecken. Zweifellos führte auch die im Mittelalter einsetzende und sich im 16. Jahr­hundert beschleunigende Magyarisierung der Stadt für Klausenburg zu einer wesent­lich anderen Positionierung im Städtenetz Siebenbürgens. Im Hintergrund des guten Verhältnisses müssen wir allerdings viel komplexere Gründe und viel kompliziertere Ordnungen suchen. Die vorliegende Studie unternimmt lediglich den Versuch, mittels des Archivmaterials, das im Archiv der Stadt Klausenburg auffindbar und in Bruchstük- ken publiziert ist, ein Bild über das Verhältnis der Stadt Klausenburg zur Zentralmacht in den Jahrzehnten nach der Schlacht von Mohács zu zeichnen. Im Spiegel der erworbenen Schenkungsbriefe und Privilegien kann festgestellt wer­den, dass das Verhältnis, das zwischen Klausenburg und der Regierung - in Wirklichkeit zwischen Klausenburg und der Familie Szapolyai - entstand, sich entlang wechselseiti­ger Interessen entwickelte und dass es von den wirtschaftlichen Verhältnissen gestaltet wurde. Über die bedeutenden Privilegien hinaus vergrößerte die Stadt in dieser Epo­che auch ihre Gebiete im Hinterland und verteidigte auch ihre Privilegien gegenüber dem Adel und dem Komitat erfolgreich. Als Gegenleistung hierfür garantierte sie der im Kampf für Siebenbürgen stehenden Familie Szapolyai materielle und militärische Unterstützung. Gleichzeitig hing der Erfolg der städtischen Diplomatie fallweise auch stark von der Kraft einer eventuellen dritten Seite, ihre Interessen durchzusetzen, ab. Vom Gesichtspunkt der Stadtpolitik aus war (auch) dieses Zeitalter nicht von ein­heitlichen Maßnahmen zur Förderung einer klaren und bewussten Stadtentwicklung gekennzeichnet. Aber vielleicht waren auch die Voraussetzungen hierfür nicht gege­ben. Über den politischen „Sumpf4 hinaus schwächte die eigentümliche ungarische Gesellschaftsordnung im Mittelalter, also die auf drei privilegierten Nationen beru­hende Ständegesellschaft, die Kraft des Bürgertums in beträchtlichem Maße. Dennoch setzte in Klausenburg eine zuvor nie gespürte Entwicklung ein. Und die erworbenen Privilegien sind nicht nur als Ertrag der veränderten politischen und wirtschaftlichen Situation, sondern auch als diplomatische Errungenschaft einer erfolgreichen Stadt zu interpretieren.

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