Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Budapest während der ersten zwei Jahrzehnte des Systems der lokalen Räte (1950-1970)

Diskussionsforum der neuen ungarischen Intelligenz, sondern die Arbeiter und Geistes­schaffenden der Hauptstadt nahmen auch an der Industrialisierung der Provinz teil, an der Schaffung der großbetrieblichen Landwirtschaft sozialistischen Typs und an der Heran­bildung der neuen ungarischen Intelligenz. In Ungarn begann die Entwicklung der sozialistischen Wirtschaft auf Grund des einzigen bis dahin bekannten Modells. Der Mangel an theoretischen Erfahrungen — auch die kleinste Abweichung vom sowjetischen Modell galt als ideologischer Fehler —, die Kriegs­psychose, die der Grund für das übermäßig schnelle Entwicklungstempo war, und außer­dem die Knappheit an Rohstoffen, Kapital und technischen Reserven, die keinerlei Experi­mente zuließ, führten zu einem übertriebenen Zentralismus, zu einer Wirtschaftspolitik, die die ungarischen Besonderheiten nicht berücksichtigte. So wurde 1951 der Volkswirtschafts­plan auf das Doppelte erhöht. Im Mittelpunkt dieser Wirtschaftspolitik stand die maximale Steigerung der Akkumulation, wobei man voraussetzte, daß damit automatisch die schnelle Wirtschaftsentwicklung verbunden wäre. Die Löhne konnten mit den Preisen nicht Schritt halten und brachten die Differenzierung der verschiedenen Tätigkeiten nicht zum Ausdruck. Die übermäßig zentralisierte Planung verursachte Störungen in der Produktion und in der Verteilung. Ohne materiellen Ansporn stieg die Arbeitsproduktivität in der Industrie nicht wie erwartet, und die Produktion stagnierte sowohl in der Landwirtschaft als auch im Klein­gewerbe, das die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedigen sollte. Die Wirksamkeit der Investitionen, die nahezu 35 Prozent des Nationaleinkommens verschlangen, blieb weit hinter den zeitgemäßen Ansprüchen zurück. Die Investitionen in der Infrastruktur und in den Dienstleistungen betrugen während des ersten Fünfjahrplans insgesamt ein Drittel der gesamten Investitionen. Die steigenden Lasten mußte in erster Linie die Bevölkerung tragen. Die geplante Erhöhung des Lebensstandards wurde nicht erreicht. Da die Regierung die Auswirkungen der Schwierigkeiten unterschätzte, kam es zu noch stärkeren wirtschaftlichen und sozialen Spannungen. Diese Lage nutzten die imperiali­stischen Kräfte aus, indem sie Verbindungen zu konterrevolutionären Elementen im Lande aufzunehmen versuchten. Gestützt auf die von ihnen als günstig eingeschätzten außen­politischen Faktoren organisierten sie 1956 einen konterrevolutionären Aufstand. Der konterrevolutionäre Versuch, der viele politisch ungeschulte und rückständige Elemente mit sich riß, schuf klare Fronten und diente den revolutionären Kräften des ungarischen politi­schen, staatlichen und wirtschaftlichen Lebens als Lehre zur Erneuerung und Fortentwick­lung des sozialistischen Systems. Die Konterrevolution kostete Budapest 1 400 000 000 Forint. In dieser Summe sind Gebäude- und Sachschäden sowie der Produktionsausfall enthalten. Die einen Monat nach diesen Ereignissen, im Dezember 1956, gefaßte Resolution der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, die die Ursachen analysierte, diente als Grundlage für neue politische und staatliche Maßnahmen und wirtschaftspolitische Entscheidungen. Die Entwicklung zur modernen Weltstadt Ende der fünfziger Jahre begannen neue Wirtschaftsprozesse, deren endgültige Form sich im neuen System der Wirtschaftslenkung, das 1968 in Kraft trat, herauskristallisierte. An die Stelle der Politik der maximalen Akkumulation und Investition traten das gemäßigte 74

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