Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Von der Befreiung des Landes bis zur Schaffung Groß-Budapests (1945-1950)
der beiden Arbeiterparteien und dem Kampf der Massen in der Regierung zu einer spürbaren Linksverschiebung kommen, während sich in der Stadtverwaltung eine Rechtsverschiebung vollzog. Das Amt des für Budapest so wichtigen Innenministers erhielt ein Vertreter der KPU, ebenso den Posten des Generalsekretärs des Anfang 1946 gebildeten Obersten Rates für Wirtschaftsangelegenheiten, dessen Aufgabe die Koordination der Wirtschaftsministerien war. Der Oberste Rat für Wirtschaftsangelegenheiten kontrollierte auch die finanziellen Angelegenheiten der Hauptstadt. In dieser Situation wurde die Betonung der Autonomie in der Stadtverwaltung zur Forderung des rechten Flügels der Partei der Kleinen Landwirte. In der Fraktion der Partei der Kleinen Landwirte im Munizipalausschuß fehlten die Vertreter der bäuerlichen Massen. Außer den wenigen wirklich fortschrittlich gesinnten Bürgerlichen hatten ausgesprochen rechtsgesinnte Kräfte das Übergewicht. Zur Schwächung der Linken im Ausschuß trug auch bei, daß in der zweiten Hälfte des Jahres 1945 die Tätigkeit der Nationalkomitees an Wirksamkeit verlor und das Budapester Nationalkomitee sehr selten zusammentrat. Die Nationalkomitees auf Bezirksebene funktionierten zwar noch, doch es gelang ihnen nicht, ihre eigentliche Aufgabe zu verwirklichen. Die konservativen Elemente im zentralen Apparat und auf Bezirksebene konnten somit ihren Einfluß erweitern. Im Sommer 1945 wurde das vor dem zweiten Weltkrieg aufgeschobene Problem der Schaffung von Groß-Budapest wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Die Entwicklung der Hauptstadt hatte während des zweiten Weltkrieges zwangsläufig die Verwaltungsgrenzen der Stadt gesprengt. Das System der Lebensmittelverwaltung wurde ab 1942 über die bestehenden vierzehn Bezirke hinaus erweitert; das gleiche traf für den Polizeiapparat und das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel zu. Die Kommunistische Partei umfaßte bei ihrer Organisierung von Anfang an Groß-Budapest, die sozialdemokratische Partei bildete ein spezielles Sekretariat, das weder der Budapester Zentrale noch dem Komitat Pest angehörte. 1945 sprachen allerdings zahlreiche Erwägungen gegen die sofortige Schaffung von Groß- Budapest. Die Stadtverwaltung, die in den Händen der Partei der Kleinen Landwirte lag, und einige Funktionäre der sozialdemokratischen Partei opponierten dagegen. Die Partei der Kleinen Landwirte wünschte nicht die Eingemeindung solcher Industrie-Randstädte wie Újpest, Csepel, Pesterzsébet usw., die sozialdemokratische Partei hatte in mehreren Randstädten führende Positionen inne, die sie nicht aufgeben wollte. Gegen eine sofortige Vereinigung sprachen sich auch die damaligen Leiter des Komitats Pest aus. Die Budapester Stadtverwaltung wollte auch deshalb vorläufig keine Vereinigung mit den Randgebieten, weil die kommunale Versorgung der Stadt, die inzwischen die Millionengrenze überschritten hatte, mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Sie war damals absolut nicht in der Lage, die Urbanisierung dieser Gebiete, die auf einer niedrigeren Stufe als die der vierzehn Stadtbezirke stand, voranzutreiben. So ist es verständlich, daß Groß-Budapest, das in vielen Beziehungen de facto schon bestand, administrativ noch nicht gebildet werden konnte. Trotz der Schwierigkeiten bei der Lebensmittelversorgung im Winter 1945/46 konnten in dieser Zeit bedeutende Erfolge erzielt werden. Im Januar 1946 wurde dank der opferbereiten Arbeit von Ingenieuren und Arbeitern bei Eisgang die Kossuthbrücke, die erste feste Donaubrücke, gebaut. Unter den damaligen Umständen war der Bau einer Brücke mit einer Lebensdauer von 15 Jahren ein bedeutendes Ereignis, denn dadurch waren die beiden Stadtteile Buda und Pest wieder fest miteinander verbunden. Den Werktätigen in den Versorgungsbetrieben gelang es, die Stadt nahezu störungslos den Winter über mit 67