Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

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der kirchlichen Schulen nicht mehr existieren. Wir sind noch nicht so reich, daß wir uns den Luxus erlauben könnten, in einem Dorf 3—4 fensterlose Lehmhütten als Schulen zu unterhalten. Was wir brauchen, sind moderne Kulturzentren und moderne Schulen. Mehr als die Hälfte des ungarischen Volkes besucht die Vier-Klassen-Schule, an der nur ein Lehrer unterrichtet. Da der Staat die Verwaltung der Schulen übernimmt und eine Rationalisierung erfolgen kann, wird das auf hören. Zumindest werden die baufälligen Hütten verschwinden, die bisher als Schulen der Kirchen bezeichnet wurden. Über die Verstaatlichung der kirchlichen Schulen hinaus ist auch die Liquidierung der Gemeindeschulen zu begrüßen. Im Namen der Partei der Kleinen Landwirte, einer Bauern­partei, kann ich sagen, daß uns der kulturelle Aufstieg der ungarischen Bauernschaft in erster Linie am Herzen liegt, der nur allmählich mit einer besseren Bildung zu erzielen ist. Vergebens hat das Volk seine Freiheit erhalten, vergebens gelangte es in den Besitz solcher Arbeitsmittel, die seinen Wohlstand vergrößern, wenn es nicht auch die notwendigen Vor­aussetzungen für bessere Bildung erhält. Bisher bezahlten die Gemeindeschulen ihre Lehrer sehr schlecht. In den großen Städten und in Budapest konnten dagegen Musterschulen errichtet werden. Die Bewohner der Großstädte haben natürlich viel bessere Bildungs­möglichkeiten als die Bewohner der rückständigen Dörfer. In Zukunft wollen wir das ganze Land erfassen, denn in diesem Lande darf es keine Staatsbürger ersten und zweiten Grades geben. Wir wollen hoffen und wünschen, daß das Schulgesetz nicht als antiklerikal betrachtet wird. Es ist ganz gewiß nicht die Absicht der ungarischen Demokratie, gegen die Kirche gerichtete Gesetze zu fassen. Wir hoffen und möchten erreichen, daß die Kirche — neben der Erfüllung ihrer göttlichen und ewigen Aufgaben — ihren Platz in der Volksdemokratie finden wird, so wie ihr das im Laufe der vergangenen zwei Jahrtausende in jeder Gesell­schaftsordnung gelungen ist. ... Es sei hier erwähnt, daß die Stadtverwaltung der röm.-kath. Kirche eine Unter­stützung in Höhe von 4 Millionen Forint und den übrigen Kirchen in Höhe von 500 000 Forint gewährt hat. Aber was ist geschehen? Ich bin selbst katholisch und akzeptiere die Auffassung, daß der Klerus in Religionsfragen eine entscheidende Rolle spielt. Wenn es jedoch nicht um Religionsfragen, sondern um die Kultur des gesamten ungarischen Volkes geht, nicht um die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, sondern darum, ob es eine ungarische Kultur geben wird oder nicht, muß ich leider zur Kenntnis nehmen, daß sich die Tätigkeit der katholischen Kirche im Kampf gegen die ungarische Kultur erschöpft. Es sei hier noch erwähnt, daß gerade heute ein Antrag der Stadtverwaltung behandelt wird, der der evangelischen Kirche ein Grundstück zum Bau einer Kirche in Buda überläßt. Das ist nicht der erste Fall, ähnliches kam in den vergangenen Monaten sehr oft vor... Fővárosi Közlöny (Offizielle Mitteilungen der Hauptstadt), 1948, Nr. 28. 132

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