Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)
Dokumentensammlung
verschiedenen Dienstleistungen der Bevölkerung noch größere Lasten aufbürden. Die Generalversammlung protestiert energisch gegen alle Absichten, die mit den Pfennigen der steuerzahlenden Bevölkerung unter großen Schwierigkeiten erbauten Einrichtungen zu verschleudern, und ebenso gegen jede getarnte oder offene Preiserhöhung. Die Generalversammlung soll den Bürgermeister anweisen, sofort einen Vorschlag über die Einführung der 40-Stunden-Woche in den städtischen Betrieben auszuarbeiten. Sie darf aber keinerlei Lohnsenkungen nach sich ziehen. Die Generalversammlung soll den Bürgermeister anweisen, bis zur Verwirklichung der staatlichen Arbeitslosenunterstützung den Arbeitslosen zu Weihnachten eine besondere finanzielle Hilfeleistung zukommen zu lassen. Der Bürgermeister soll dafür Sorge tragen, daß in den elendlindernden Aktionen nicht diejenigen Unterstützung erhalten, deren politische Dienste honoriert werden, sondern daß jeder Hilfsbedürftige, ungeachtet seiner Parteizugehörigkeit oder Religion, bedacht wird. Da immer mehr arbeitslose Arbeiter, Angestellte und ruinierte Handwerker ihre Mieten nicht zahlen können, und die Zahl der Zwangsräumungen sehr hoch ist, sollen die Hausbesitzer ihnen die Mieten stunden. Die Stadt soll für die Obdachlosen Notwohnungen bauen. Die Speisungsaktion soll der Bürgermeister so erweitern, daß im Winter jeder Arbeitslose und seine Familie täglich eine warme Mahlzeit erhalten. Neben der allgemeinen Abschaffung der Verbrauchersteuer muß vor allem die Verbrauchersteuer für Brot schnellstens aufgehoben werden. Die Generalversammlung protestiert gegen die Absicht, die Gehälter und Löhne der kleinen Beamten und Arbeiter auch nur im geringsten zu kürzen, denn die Lebenshaltungskosten liegen so hoch, daß sie ohnehin nicht ausreichen... Budapest Főváros Levéltára. Közgyűlési jegyzőkönyvek (Archiv der Hauptstadt Budapest. Protokolle der Generalversammlung), 2. Oktober 1931. XXI. Auszüge aus der an das Innenministerium gerichteten Eingabe des Bürgermeisters Jenő Sipőcz über die soziale Fürsorgetätigkeit der Hauptstadt 15. Juli 1932 .. .Diejenigen, die sozialpolitische Aufgaben lösen müssen, stellt die Folgeerscheinung der Weltwirtschaftskrise, daß nämlich Millionen arbeitsfähiger und arbeitswilliger Menschen weder im eigenen Beruf noch in anderen Arbeitskreisen Beschäftigung finden und sich und ihre Familien nicht ernähren können, vor nahezu unüberwindbare Schwierigkeiten. Die brennende Frage der Arbeitslosigkeit ist überall auf der Welt ein Problem, in den reichen Vereinigten Staaten und in den mächtigen Staaten Europas ebenso wie in unserem armen, kleinen, verstümmelten Ungarn. Während jedoch in den meisten Staaten Europas mit beträchtlichen materiellen Opfern, mit gründlich vorbereiteten und ständig weiterentwickelten sozialpolitischen Maßnahmen gegen die durch die Wirtschaftskrise entstandene Arbeitslosigkeit angekämpft wird, konnte man bei uns in Ungarn nur durch die erweiterte Fürsorge der Behörden versuchen, das durch die Arbeitslosigkeit verursachte Elend zu 119