Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Dokumentensammlung

Ansicht der Bevölkerung der Hauptstadt ergriffen werden müssen, um Budapest in den internationalen Handels- und Industrieverkehr einzuschalten. Zur Entwicklung von Handel und Industrie auf christlich-moralischer Grundlage um­reißt die Bevölkerung der Hauptstadt ihren Standpunkt folgendermaßen: 1. Die Generalversammlung hält innerhalb der Rechtsverordnungen die Unterstützung der Industrie und des Handels, die sich auf christlich-moralischer Grundlage befinden, für unbedingt notwendig und betrachtet ihre Unterstützung als Aufgabe des Staates. Sie dringt deshalb auf eine Intervention des Staates wie folgt: a) die christlich-moralische Auffassung muß auf sämtlichen Gebieten des Erziehungs­wesens und auch in der Presse zur Geltung kommen, und die Handlungen, die dieser Auf­fassung nicht entsprechen, müssen mit sehr viel schärferen Gesetzen als bisher verfolgt werden; b) der Staat soll moralisch und finanziell die Wirtschaftseinheiten unterstützen, deren Tätigkeit die christlich-moralische Auffassung im Wirtschaftsleben zur Geltung bringen will; c) bei der Zuteilung von öffentlichen Transporten und Arbeiten sollten nicht nur wirt­schaftliche Erwägungen, sondern in erster Linie die planmäßige Entwicklung der auf der christlich-moralischen Grundlage stehenden Industrie und des Handels maßgebend sein; d) der Staat soll die sich auf der christlich-moralischen Grundlage entwickelnde Industrie und den Handel in all den Fällen unterstützen, wo ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Firmen, deren Produktionsmittel und Material sich nicht in christlicher Hand befinden, gefährdet wäre. 2. Die Generalversammlung vertritt im Prinzip den freien Handel. Da jedoch gegen­wärtig die Voraussetzungen dafür noch nicht geschaffen sind, hält sie die Folgen eines plötzlichen Überganges zum uneingeschränkt freien Handel für einfach katastrophal. Die noch vorhandenen Werte werden ins Ausland geschleust, und im Inland erhöhen sich die Schwierigkeiten in der Warenbeschaffung, mit denen die Industrie und der Handel kämpfen, die auf christlich-moralischer Grundlage entstehen. 3. Die Generalversammlung verurteilt die im allgemeinen gegen die Genossenschaften gerichteten Angriffe. Es stimmt zwar, daß die Konsumgenossenschaften in bezug auf die Warenbeschaffung durch gesicherte Erleichterungen und dadurch, daß sie nicht nur ihre Mitglieder versorgten, dem Kleinhandel erheblichen Schaden zufügten, andererseits besteht aber kein Zweifel darüber, daß die angegriffenen Einheiten mit ihrem riesigen Umsatz und durch die Beschäftigung von Tausenden von christlichen Angestellten dem Geschäftsleben der Wirtschaftsorganisation auf christlich-moralischer Grundlage große Dienste erwiesen haben. Zweifelsohne werden diese Einheiten bei richtiger Wirtschaftspolitik auch in Zukunft starke Pfeiler unserer Wirtschaftsorganisation darstellen. Budapest Főváros Levéltára. Közgyűlési jegyzőkönyvek (Archiv der Hauptstadt Budapest. Protokolle der Generalversammlung), 9. März 1921. 113

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