Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

Dokumentensammlung

sanitären Zustände, der moralische und physische Zustand, die produktive Arbeitskraft der Nation, mit einem Wort, die staatlichen Grundpfeiler, die lebenswichtigen Interessen der heutigen und künftigen Generation gefährdet. In diesem Bewußtsein hat sich die Regie­rung ernsthaft mit der Regelung der wirklich besorgniserregenden Wohnungsverhältnisse der Haupt- und Residenzstadt beschäftigt, indem sie sich hierbei ein doppeltes Ziel setzte, und zwar einerseits entsprechende und möglichst billige Wohnungen zu schaffen, anderer­seits die hohen Wohnungsmieten zu senken. Zureichender und den ökonomischen Kräften des einzelnen angemessener Wohnraum ist die erste Voraussetzung für die Zufriedenheit. Die Wohnung ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit und pflegt und hebt die Moral. Sie hebt die Arbeitslust, steigert die Arbeitsfähigkeit, festigt die Bindung an Boden und Heimat, mit einem Wort, hat so vorteil­hafte physische und emotionale Auswirkungen, die im Endeffekt auch vom Standpunkt des wirtschaftlichen und nationalen Erstarkens als ein erheblicher Faktor in Erscheinung treten. Der Bau solcher Heime unmittelbar auf dem Innenterritorium der Haupt- und Resi­denzstadt stößt jedoch auf unüberwindliche Hindernisse, weil die hohen Grundstückpreise der Haupt- und Residenzstadt und die hohen Baukosten die investierten Posten faktisch derart in die Höhe treiben, daß unter Berücksichtigung dieser Tatsachen die festsetz­­baren, zwar verhältnismäßig niedrigen Mieten weder unsere Arbeiter noch andere mit materiellen Sorgen kämpfende Volksklassen von ihren gegenwärtigen Löhnen zu bezahlen imstande wären. Dabei besteht kein Zweifel, daß den sanitären, moralischen und wirt­schaftlichen Interessen des Arbeiters eher ein solches Heim entspräche, das außerhalb der ungesunden inneren Atmosphäre der Hauptstadt gelegen ist, insbesondere die auch moralisch schädliche Überfüllung des Mietskasernensystems vermeidet und auch die Möglichkeit zu kleinerem Gartenbau und zur Haltung von Nutztieren bieten würde. Des­halb ist die Regierung zu der Überzeugung gelangt, daß im Fall des Gelingens die Fragen eines billigen Nahverkehrs in die Hauptstadt und der zeitgemäßen Versorgung mit all­gemeinen Gebrauchsgütern vorteilhaft zu lösen und die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter am besten durch Ansiedlung eines großen Teils an der Peripherie von Budapest durch den Bau von zumindest überwiegend pavillonartigen Arbeiterhäusern zu regeln wären. Diese Lösung scheint auch deshalb vorteilhaft zu sein, weil sich eine natürliche Grundlage ergeben würde, daß mit der Zeit die benachbarten Gemeinden der Haupt- und Residenzstadt an­geschlossen werden und infolge der in großen Massen frei werdenden Budapester Arbeiter­wohnungen ein größeres Angebot auch die übertriebenen Wohnungsmieten in der Haupt­stadt senken würde... Es besteht kein Zweifel, daß die Erstellung solcher Arbeiterwohnungen nur dann das erwartete Ergebnis bringen wird, wenn die Übersiedlung in großem Maßstab durch schnel­len und billigen Ankauf von geeigneten, zusammenhängenden, großen Baugrundstücken sowie durch einheitliche und Massenbauten erfolgt, und wenn dazu ein bedeutendes Kapital zur Verfügung steht... Magyar Törvénytár. 1908. évi törvények (Ungarische Gesetzsammlung. Gesetze des Jahres 1908), S. 774/75. 107

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