Ságvári Ágnes (szerk.): Budapest. Die Geschichte einer Hauptstadt (Budapest, 1974)

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Bevölkerung der Hauptstadt erweitert werden. Von einer wirklichen Selbstverwaltung können wir nicht sprechen, solange die Vertreter der 800 000 Einwohner zählenden Haupt­stadt durch einige hundert Personen auf Grund einer Bevollmächtigung von 20 000 bis 25 000 Wählern gewählt werden, und solange sie gegen jede Entscheidung und Maßnahme der Generalversammlung bei der Regierung Berufung einlegen können. Anstelle der mani­pulierten Pseudoautonomie muß eine auf die Kraft der gesamten Bürgerschaft der Haupt­stadt aufgebaute städtische Selbstverwaltung errichtet werden. So können wir hoffen, daß sich die Munizipalbehörden auf Grund der sich unabhängig von den Parteien be­kämpfenden politischen städtischen Parteiprogramme bilden und eine einheitliche bewußte Gemeindepolitik betreiben werden, die die Interessen der breitesten Schichten der Bevöl­kerung der Hauptstadt und auf dieser Basis der gesamten Bürgerschaft würdig vertritt und durchsetzt. Wenn wir das künftige Schicksal der Hauptstadt mit sicherer Hand in einer bestimmten Richtung fördern wollen, müssen wir alle Mittel für die Stadt sichern, mit denen wir die kulturellen, verkehrsmäßigen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bürgerschaft möglichst restlos befriedigen können. Dies gilt auch für die Unternehmen von öffentlichem Interesse. Wir müssen auch einen anderen Kurs in der Stadtentwicklungspolitik einschlagen. In Anbetracht der planlosen Entwicklung in den Außenbezirken haben wir diese vor Jahren gewaltsam aufgehalten. Doch nicht die Planlosigkeiten haben wir vereitelt, sondern die Besiedlung und Entfaltung der Außenbezirke. Die derart gehemmte Entwicklung der Außen­bezirke hat der Umgebung der Hauptstadt ihren Stempel aufgedrückt und gefährdet heute vom sozialen, sanitären und finanziellen Standpunkt die Interessen der Hauptstadt. Man muß also künstliche Schleusen zur Entwicklung der Außenbezirke öffnen und eine geregelte Stadtentwicklung ermöglichen. Die Stadt kann das Territorium, das zum größten Teil zum städtischen Besitz gehört, parzellieren und sogar billige und gesunde Wohnhäuser zur Verfügung stellen. Das ist eine wichtige soziale Aufgabe der Hauptstadt. All diese Umstände stellen immer dringlicher die Frage des administrativen Anschlusses der um­liegenden Gemeinden an die Hauptstadt, mit der wir uns unbedingt befassen müssen. Auf die finanzielle Lage der Hauptstadt und die uns erwartenden Aufgaben auf diesem Gebiet will ich nicht ausführlicher eingehen, weil diese Fragen in Kürze anläßlich der Vorlage und Beratung des Budgets für das Jahr 1907 ohnehin auf die Tagesordnung gesetzt werden und auch ich Gelegenheit haben werde, meine diesbezüglichen Ansichten der verehrten Generalversammlung ausführlich auseinanderzusetzen. Es ist sicher, daß wir unter den konkreten Bedingungen in dieser Hinsicht besonders auf das Wohlwollen der Regierung angewiesen sind, das wir um so weniger in Zweifel ziehen können, als un­längst der Vorsitzende der Regierung ganz entschieden die Verminderung der materiellen Lasten der Hauptstadt in Aussicht gestellt hat. Was die kulturellen Fragen betrifft, so erkläre ich diesbezüglich, daß ich von dort, wo ich bisher tätig war, den festen Glauben auch in das Bürgermeisteramt mitgebracht habe, und was man aus meinem Herzen nicht mehr tilgen kann: daß das künftige Glück und das Bestehen der Hauptstadt und sogar der ganzen Nation in erster Linie davon abhängt, wie sie die breitesten Schichten des Volkes mit den Mitteln der ungarischen Nationalkultur beeinflußt und zu einem starken sozialen Verantwortungsgefühl und zu einer intensiven, gut organisierten Wirtschaftstätigkeit erzieht. Wenn auf dem Wege der demokratischen Erweiterung der Volksrechte künftig das Schicksal des Landes und der Hauptstadt wirklich 105

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