Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

András Sipos: Bürgermeister István Barczy und die sozialen Bauprojekte in Budapest am Anfang des 20. Jahrhunderts

203 Die Verwirklichung des Programms gemahnt kaum an die ursprüngliche Idee. Der Plan des Angestelltenwohnbaus wurde von Anfang an scharf angegriffen und daher von der Stadtverordnetenversammlung auch nicht angenommen. Der Plan des Baus der Mietwohnungen, die Gewinn einbringen konnten, wurde vom Innenminister aufgehoben. Das Programm wurde so auf den Bau der Arbeiterwohnungen reduziert, es stellte sich aber heraus, dass genau für die Familien der überbelegten Wohnungen mit mehreren Kindern sogar die mit 300-350 Kronen höchste Miete für Einzimmerwohnungen in den städtischen Miethäusern zu hoch war. Deshalb musste man eine Lösung suchen, die auch bei niedrigerer Miete die Deckung der Eigenkosten sicherte. Unter diesem Zwang wurde der eigenartige Typ der Kleinstwohnungssiedlungen ausgearbeitet, der letztendlich das Programm charakterisierte. In pavillonartiger Ordnung wurden in „leichter Bauart” ebenerdige, nicht unterkellerte Blocks errichtet, die zumeist acht Einzimmerwohnungen enthielten, die die Bedingung eines leichten und schnellen Aufbaus wie Abrisses erfüllten und veränderbar geplant waren, mit kleinen Vorgärten und engen Wegen. Die Miete der Einzimmerwohnungen in diesen Siedlungen bewegte sich zwischen 180 und 250 Kronen, der Durchschnitt von 209 Kronen lag um 46% unter der Miete der Privatmiethäuser der Umgebung. Die Einzimmerwohnungen der städtischen Miethäuser waren um 26% billiger als die Privatmiethäuser der Nachbarschaft. Nach dem Leiter der technischen Angelegenheiten des Bauprogramms von Budapest, Gyula Kabdebo, dienten die Miethäuser „für die Industrie- und Fabrikarbeiter, Amtsboten, Postboten, Eisenbahner, Unteroffiziere usw., die bessere Gehälter hatten”, und die Siedlungswohnungen „für die finanziell schwächeren, kleinindustriellen Arbeiterschichten, Tagelöhner und für andere Bürger, die ziemlich bescheidene Bedürfnisse oder aufgrund ihrer unregelmäßigen Beschäftigungen kleinere Gehälter hatten“. Am Ende entfielen auf die Miethäuser 2.010, auf die Siedlungen 2.806 Wohnungen. Die große Bauaktion der Hauptstadt erbrachte zu 76% Einzimmerwohnungen (der ursprüngliche Plan schrieb höchstens 60% vor), den größten Teil davon machten die Siedlungswohnungen schlechterer Qualität aus. Die wirklichen Verhältnisse der Gesellschaft, die Zahlungsfähigkeit der Zielgruppe erforderten den Vorrang von Billigkeit und Schnelligkeit. Trotzdem boten die kommunalen Wohnungen verglichen mit den Privatmiethäusem eine eindeutig höhere Lebensqualität. Jede Wohnung (auch in den Siedlungen) wurde mit separatem WC ausgestattet, zur Mehrzahl der Zweizimmerwohnungen gehörte ein Badezimmer, die Einzimmerwohnungen in den Miethäusem verfügten über Gemeinschaftsbäder. In den Siedlungen der Százados- und der Palotaistraße wurde ein kleineres Volksbad errichtet. (Nach der Wohnungszählung von 1911 besaßen 14% der Einzimmerwohnungen in der Hauptstadt separate WCs, 0,3% der Einzimmerwohnungen und 24,4% der Zweizimmerwohnungen hatten Badezimmer.) „Zu den allgemeinen Gewohnheiten der Hauptstadt hingegen öffneten wir die Höfe überall für die Kinder so, dass sie zu richtigen Spielplätzen wurden ... wir gestalteten die Siedlungen entlang den Zäunen parkmäßig, und für die Ermunterung der Bewohner organisierten wir einen

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