Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Eva Offenthaler: Gasgebrauch und Gasversorgung in Wien

175 Zum Zweck der Straßenbeleuchtung gab es im Jahr 1850 in der Inneren Stadt 564 ganznächtige und 494 halbnächtige Gasflammen, in den Vorstädten brannten 84 ganznächtige und 198 halbnächtige Gasflammen. Ihre Zahl stieg in den nächsten Jahrzehnten stark an: 1888 sorgten in Wien (ohne Vororte) täglich bereits 11.437 gewöhnliche Flammen und 309 Intensivbrenner für die öffentliche Beleuchtung. In den städtischen Gebäuden belief sich die Zahl der Gasflammen zur selben Zeit auf 22.886 Stück. Die folgende Aufstellung verdeutlicht die starke Zunahme der Gasverwendung. Die pro Jahr abgegebene Gasmenge betrug: 1835 50.000 m3 1845 700.000 m3 1855 7,500.000 m3 1865 19,000.000 m3 1875 45,000.000 m3 1885 74,000.000 m3 1895 95,000.000 m3 1905 135,000.000 m3 1915 209,000.000 m3 Eine bedeutende technische Verbesserung brachte das von Carl Auer von Welsbach (1858-1929) entwickelte Gasglühlicht. Mit diesem neuen Glühstrumpf gelang es, die Nachteile des herkömmlichen Gaslichts - hoher Sauerstoffverbrauch und starke Erhöhung der Raumtemperatur - zu vermindern. Überdies lag der Gasverbrauch des neuen Auer-Brenners um ca. 60 % niedriger. 1893 wurde die erste Straßenlaterne mit dem neuen Gasglühlicht ausgestattet (Wien 1., Herrengasse und Zufahrtsstraße zum Neuen Rathaus). 1907 kam es in der Straßenbeleuchtung zur Einführung eines hängenden Gasglühlichts, des so genannten Invertlichts. Eine weitere Neuerung bestand in den ersten Zünd- und Löschuhren, die ab 1912 zum Einsatz kamen und die Laternenanzünder nach und nach ablösten. Zu dieser Zeit betrug der Gesamtbestand der öffentlichen Beleuchtung schon über 37.000 Laternen, und 679 Latemenwärter waren im Einsatz. Das Rohmetz hatte 1912 eine Länge von 1.000 km, 1913 bereits von 1.500 km. Als Lichtquelle hatte das Gas jedoch inzwischen Konkurrenz erhalten: 1914 gab es in Wien noch 45.522 Gasflammen, aber schon 4.435 elektrische Lampen zur öffentlichen Beleuchtung. (1923 beschloss schließlich die Gemeindeverwaltung, die elektrische Beleuchtung in allen Straßen einzuführen). Kurioserweise war es

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