Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest
171 wurden im Sommer 1914 beendet. Die Organisierung des Budapester Elektrizitätswerkes erfolgte erst zu dieser Zeit, deshalb vertraute man die administrative Leitung des Baus den Hauptstädtischen Gaswerken an. Der Architekt war auch hier Kálmán Reichl. Die Hauptfunktionen kamen in ein einziges Gebäude mit komplexem Grundriss und Maßen: Neben den drei wichtigsten technologischen Einheiten der Stromherstellung (Maschinenhaus, Kesselhaus und Schalterhaus) wurden die Büros des Direktorats ebenfalls hier untergebracht. Für die Turbinen wurde ein einschiffiger Hallenraum gebaut, senkrecht darauf steht das Kesselhaus. Die Turbinenhalle wurde mit einer temporärer Abschlusswand versehen, damit sie für die neuen Maschinen stufenweise erweitert werden konnte. Das Kesselhaus selbst konnte nicht ausgeweitet werden, neben ihm ließ man aber genug Platz für weitere Kesselhäuser, normal Turbinenhalle. Das Schalterhaus schloss das andere Ende der Turbinenhalle ab, mit den Büros über dem Schalterraum. Ein Gebäude mit vielfältigen Maßen kam so zustande, sodass es von allen Seiten ein anderes Bild zeigte. Es konnte leicht ohne der Störung der Produktion erweitert werden, sodass die Aufstellung der immer größeren Maschinen auch kein Problem bedeutete. (Zu den Erweiterungen kam es in den 1920er und 1930er Jahren, als sich der Komplex durch zwei neue Kesselhäuser und ein neues, riesiges Schalterhaus auf sein Mehrfaches vergrößerte. Bis zu seinem Tode 1926 blieb Reichl der Architekt, dessen Werk Virgil Bierbauer fortführte, für lange Zeit in dem selben frühmodemen Fabriksstil und später im Sinne des Funktionalismus). Ähnlich wie beim Gaswerk wurden auch auf dem Gelände des Elektrizitätswerks mehrere Nebengebäude (Wasserhaus, Werkstatt usw.) im selben Stil errichtet. Hier plante man nur Beamtenwohnhäuser, von den aber auch nur eines gebaut wurde. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Werken war, dass in Óbuda der größte Teil des historischen Komplexes sofort fertiggestellt wurde und später nur noch kleinere Ergänzungen, bzw. Veränderungen wegen der Veränderungen in der Technologie nötig waren. In Kelenföld kam es dagegen vor dem Weltkrieg nur zur ersten Bauphase. Seine Produktion stieg später um das Vielfache, wofür enorme neue Investitionen nötig waren; deshalb bildeten die ursprünglichen Bauten nur den Kem des gesamten Komplexes. So wurde das Gaswerk von Óbuda in Budapest das Hauptwerk der Industriearchitektur vor dem Ersten Weltkrieg und das Werk von Kelenföld größtenteils bereits das Hauptwerk der Industriearchitektur zwischen den beiden Weltkriegen. Literatur Technischer Führer von Budapest. Red. von Aladár EDVI ILLÉS, Budapest 1896. Memorandum unterbreitet der in Angelegenheit des neuen Zentralgaswerkes für den 28-ten Juni 1909 einberufenen Fachkommission, Budapest 1909. Franz Heltai, Das neue Zentralgaswerk der Haupt- und Residenzstadt Budapest, Budapest 1910.