Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Gaswerke und elektrische Anlagen in Budapest
164 1856 baute die Gesellschaft ihre erste Fabrik am Rande des Innenbereichs der Stadt, in der Josefstadt, neben dem so genannten Liniengraben, auf der unverbauten östlichen Seite des Pferdemarkts. Der Kern des Gebäudekomplexes, entworfen und ausgeführt von dem Baumeister Ágoston Pollack, war das Retortenhaus, wo die Herstellung des Leuchtgases erfolgte. An einer Seite standen die für die Lagerung des Grundmaterials, der Steinkohle, dienenden Schuppen, an der anderen Seite die Gasbehälter für die Lagerung des Endprodukts. In einer ersten Phase wurden zwei Gasbehälter mit je 100.000 Kubikfuß Rauminhalt gebaut. An der Seite des Werkes nahe der Stadt wurden das villenähnliche Gebäude der Direktion und seine zwei Nebengebäude (heute sind aus der ersten Bauphase nur noch diese erhalten) errichtet sowie noch einige weitere Nebengebäude bzw. Anbauten für die zusätzliche Funktionen. Die Gasversorgung begann mit 23. Dezember 1856; zu dieser Zeit diente sie ausschließlich der Beleuchtung. Nach der Fertigstellung des Werks wandte sich die Errichtergesellschaft so schwungvoll dem Ausbau des Gasnetzes zu, dass die Anzahl der Gaslampen in Pest (in Relation zur Bevölkerungszahl der Stadt) schon ein Jahr nach der Inbetriebsetzung größer war als in Wien, und die Produktion wurde bereits im zweiten Geschäftjahr verdoppelt. Die Rohrleitung wurde zuerst in der Innenstadt (und entlang der dahin führenden Strecke), dann in den Pester Außenbezirken hergestellt, und 1862 wurde sie im Weg der Kettenbrücke nach Ofen übergeleitet. Eine Ausweitung des Werks wurde schon im dritten Jahr des Bestehens nötig: der dritte Gasbehälter wurde gebaut und das Werksgelände vergrößert. Das Wachstum des Gasverbrauchs wurde nach den ersten zwei Jahren langsamer, und es stieg in acht Jahren nur so viel, wie 1857/58 in einem Jahr. Auf diesem Gebiet brachte auch der Ausgleich eine Veränderung mit sich. Die Entwicklung der Gasversorgung. Die Hilfsgaswerke Der zweite große Aufschwung im Produktions- und Verbrauchs Wachstum dauerte von 1867 an bis zur Wirtschaftskrise von 1873. Bis dahin wurde schon das zweite Werk der Gesellschaft in Betrieb genommen, das erste so genannte Hilfsgaswerk in Ofen. 1865 schloss die Gesellschaft einen Vertrag mit der damals noch eigenständigen Ofener Munizipalbehörde ab, und bis 1866 wurde das Werk auf der heutigen Margareta-Ringstraße erbaut. Es war wesentlich kleiner als das von Pest, aber auch so verfügte es über all die Anlagen, die zur Durchführung aller technologischen Phasen (Kesselhaus, Gasbehälter, Kohlenlager, Gasreiniger usw.) nötig waren. Um die Bedürfnisse, die im Jahre des Ausgleichs sprunghaft anstiegen, Genüge zu tun, wurden 1868-69 groß angelegte Bauarbeiten in der Stammfabrik in der Josefstadt durchgeführt. Der vierte (der kleiner war als die anderen) und fünfte (größer als die vorherigen) Gasbehälter wurde gebaut, das Kesselhaus vergrößert und mit neuen Ansätzen ergänzt, neue Nebengebäude wurden aufgezogen. Dann, 1873, wurden die drei alten Gasbehälter erneuert. Damit