Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Peter Csendes: Markthallen in Wien
159 Peter Csendes Markthallen in Wien Die Approvisionierung, Versorgung, der rasch wachsenden Großstadt zwang die Stadtverwaltung zu verschiedenen organisatorischen Maßnahmen. Es galt nicht nur, die erforderliche Zufuhr sicherzustellen und die Wirtschaftlichkeit in der Marktabwicklung zu verbessern, es war auch das Preisgefüge zu überwachen und Sorge zu tragen, dass den hygienischen Bestimmungen die notwendige Aufmerksamkeit gewidmet wurde. Durch Jahrhunderte hatten Straßen und Plätzen der Stadt den Märkten Raum geboten. Die dichte Verbauung hatte dabei zu einer produktspezifischen Konzentration geführt, woran zahlreiche Namen von Verkehrsflächen bis heute erinnern. Die benötigten Markteinrichtungen (Stände, Hütten, Fleischbänke) waren seit dem Mittelalter im Besitz der Stadt, die diese vermietete. Im frühen 19. Jahrhundert entstanden neue wichtige Marktstandorte vor der Stadt, so der Viehmarkt von St. Marx im Südosten und ein großer Obst- und Gemüsemarkt vor dem Kärntner Tor, der noch besteht (Naschmarkt). Allerdings gab es auf manchen Plätzen auch noch im 20. Jahrhundert Marktbetrieb. Für saisonale (Weihnachtsmärkte) oder besondere Anlässe sind temporäre Märkte bis heute üblich. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erlangten auch in den Vororten manche Märkte (besonders in Favoriten, Meidling, Fünfhaus, Ottakring oder Währing) überregionale Bedeutung und werden noch immer geführt. Im Jahr 1839 wurde ein städtisches Marktamt gegründet, um Marktorganisation und -kontrolle nachhaltiger abwickeln zu können. Entsprechende Marktordnungen wurden erlassen. Um die tierärztliche Beschau des Schlachtviehs zu erleichtern und zu verbessern, wurden 1846-1851 Schlachthäuser in St. Marx und Gumpendorf errichtet, die dem Beispiel von Paris folgten. In den 1880er Jahren wurden in Meidling, Hernals und Nussdorf weitere Schlachthäuser erbaut. 1880-1883 wurde auf dem St. Marxer Gelände auch der neue Zentral viehmarkt nach den Plänen von Rudolf Frey angelegt. Die größte aller Anlagen war jene in St. Marx mit einer Länge von 230 m und einer Breite von 176 m. 1888-1892 ausgebaut, wurde sie 1906-1909 um einen Schweine- und einen Pferdeschlachthof ergänzt. Dazu kamen große Stallungshallen, von denen die Rinderhalle die größte und als Bauwerk eindrucksvollste war. Eine überdachte Straße teilt die symmetrische Anlage, die jeweils aus einem Haupt- und zwei Seitenschiffen besteht. Sie wurde ohne Mauerteile zur Gänze aus Schmiedeeisen erbaut. Die Halle in Gumpendorf wurde noch vor dem Ersten Weltkrieg aufgelassen, auch jene in den Außenbezirken bestehen nicht mehr..