Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)

Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen

157 Verlegung einer Straße. Danach wurde ein auf eine um 21% verringerte Kapazität reduzierter Plan entworfen, aber aufgrund der Überbelastung des Hauptstädtischen Bauamtes wegen des laufenden Baus der anderen Hallen wurde die Verwirklichung so lange verschoben, bis die Pester Hallen fertig waren. Da der Verkehr größer war als vorher erwartet, wurde zur Zeit der Eröffnung des Hallensystems 1897 die Aufnahmefähigkeit zuerst mit Hilfe eines Laufgangs vergrößert, dann präsentierte das Bauamt eine völlig frei stehende Variante des Projekts, ohne Miethaus, mit 332 ständigen Verkaufsständen. Eine andere Alternative von noch größerer Aufnahmefähigkeit wurde ebenfalls entwickelt, mit 400 ständigen Verkaufsständen, mit einer nach drei Seiten freien Gestaltung ohne Miethaus. Nach den 1898 fertig gewordenen detaillierten Plänen wären schon 509 ständige Verkaufsstände eingerichtet worden (die Hälfte davon auf der Galerie), mit einem Budgetrahmen, der alles Frühere übertraf. Als Gegenreaktion wurde die gesamte Konzeption in Frage gestellt; ausgerechnet das Markthallenkomitee schlug anstatt der Halle den Bau eines viel einfacheren, verdeckten Markts vor. Die Pläne, die für diese bald aufgegebene Initiative angefertigt wurden, enthielten ein aus vier französischen Pavillons bestehendes Gebäude, mit einer Konstruktion aus Eisen und Glas. Am Ende wurde sogar in Frage gestellt, ob der Bombeplatz für diesen Zweck überhaupt geeignet wäre. Nach diesem Intermezzo schwang das Pendel 1899 zurück, und die Entscheidungsträger kehrten zu dem früheren Plan zurück, nach dem dann die Halle 1900-1902 mit einem stark reduzierten Budget auch gebaut wurde. Dieses letzte Beispiel des Gebäudetyps ist architektonisch weniger originell als die anderen. Durch die diagonalen Seitenschiffe des Hallenraums übernimmt sie die vereinfachte Struktur der zentralen Halle, und ihre Front ohne Miethaus folgt dem Muster der Bezirkshallen. Der Betrieb des Hallensystems bis zum Ersten Weltkrieg Der Umsatz der Pester Markthallen nahm einen befriedigenderen Lauf als erwartet, und so kam am Anfang des 20. Jahrhunderts sowohl bei der zentralen, als auch bei mehreren Bezirkshallen das Bedürfnis der Erweiterung, bzw. bei den am besten frequentierten Detailhallen das Bedürfnis nach dem Bau von weiteren Hallen auf. 1899 wurde mit dem Umbau der Reitbahn der Karl- Kaserne in dem Teil der Innenstadt eine vorläufige Halle angelegt, der von den bereits stehenden am weitesten entfernt war. Von den Projekten zur Erweiterung des Hallensystems war dies das einzige, das damals verwirklicht wurde, das Netz wurde nicht weiter ausgebaut. Es gab mehrere Gründe dafür. Der am dichtesten bewohnte innere Teil der Stadt war im Großen und Ganzen versorgt, außerhalb davon war die Bevölkerungsdichte noch nicht so groß, dass eine so teuere Investition erforderlich gewesen wäre. Das Hallensystem konnte die Erwartungen insofern nicht erfüllen, als der

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