Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen
155 Die Pester Bezirkshallen Eine generelle Besonderheit der Bezirkshallen ist, dass sie in der Nähe früherer Märkte errichtet wurden, aber nicht auf den Plätzen, sondern ohne deren Beeinträchtigung in geschlossener Bauflucht zwischen den Wohnhäusern. Eine typische lokale Lösung sah so aus, dass man zur Erhöhung der Rentabilität eine Kombination mit Miethäusem projektierte, im Erdgeschoss mit Restaurants, Kaffeehäusern, Geschäften, im Obergeschoss mit Mietwohnungen. Man wollte jede der vier Detailhallen, die 1897 mit der zentralen Halle zusammen eröffnet wurden, so gestalten. Letztendlich wurden drei von ihnen mit Miethäusem verbunden errichtet. Jede Halle wurde als Eisenkonstruktion gebaut, hat eine offene Dachkonstruktion mit hoher Seitenbelichtung und einem Satteldach mit Doppelholzbelag (mit isolierender Luftschicht). Die Fassaden sind mit Ziegeln verkleidet. Ihre Grundrisse und Konstruktionen sind unterschiedlich, aber insofern gleich, dass jede von ihnen einen basilikenähnliche Raum aufweist, mit einem Fahrweg in der Mitte des Hauptschiffs. Das Hauptschiff weist gewöhnlich in der Front ein großes, torähnliches Motiv auf, meist mit Segmentbogenöffnungen und von einem Tympanon überfangen. Die beiden von Győző Czigler entworfenen Hallen sind sowohl in der Grundrissform wie auch in ihrer Konstmktion einfacher als die anderen, ihre Fassaden aber detailreicher, und sie ähneln einander in vieler Hinsicht. Beide sind dreischiffige, basilikale Hallen ohne den Ausbau eines Laufganges, obwohl er meist begonnen oder wenigstens die Möglichkeit dafür vorgesehen wurde. Mit ihren Gitterstützen und der Form der Dachkonstruktion wird die zentrale Lösung stark vereinfacht übernommen. Die kleinere Halle in der Holdstraße öffnet sich nach zwei parallelen Straßen. Von einer der Straßen gesehen wird sie von ihrem dreistöckigen Miethaus begrenzt. Ihre Fassade mit farbiger Ziegelverkleidung beweist eine markante Artikulation. Die Halle selbst blickt auf die andere Straße, ihre Fassade mit Tierbüsten plastisch reich verziert. Im Obergeschoss des Hauptschiffs eröffnet sich eine Lünette, die von zwei Büstenpfeilem dreigeteilt wird. Die innere Seite dieser Öffnung wurde vom Planer als kassettenverzierte Tonne ausgearbeitet. Die andere Halle Cziglers, am Hunyadiplatz, ist die einzige, an der noch keine moderne Rekonstruktion durchgeführt wurde. Ihr Inneres ist mit jener in der Holdstraße zu vergleichen, es ist aber ein luftigerer, größerer Raum. Seine Disposition ist unterschiedlich, sie blickt auf drei Straßen. Dies ist die einzige Halle, die an beiden Seiten an ein Miethaus angebunden ist. So verfügt sie auch über keine eigene Hauptfront, nur ihre Seitenfront blickt auf die Straße. Diese zeigt eine ähnliche plastische Verzierung: Eine Reihe mit von Hermen unterteilten, aber kleineren Lünetten ist ebenfalls eine Spätreminiszenz an den so genannten Hellenismus, dessen herausragender Repräsentant der Lehrer von Czigler, Theophil Hansen, war. Von den zwei Hallen, die damals vom Bauamt entworfen wurden, fällt die am Klauzálplatz dadurch auf, dass sie wegen ihres T-förmigen Grundrisses unverhältnismäßig breit ist: Sie hat neun Schiffe. Ihr Dach ist ebenfalls