Budapest und Wien. Technischer Fortschritt und urbaner Aufschwung im 19. Jahrhundert - Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs 9. - Beiträge zur Stadtgeschichte 7. (Budapest - Wien, 2003)
Ferenc Vadas: Lebensmittelversorgung und Markthallen
152 Zum Bau des Hallensystems, von dem man die Lösung all dieser Probleme erhoffte, kam es in Budapest aber nur mit Verzögerung. Auf diesem Gebiet folgte die ungarische Hauptstadt dem ausländischen Beispiel weitaus langsamer und schwerfälliger, als auf anderen Gebieten der Urbanisierung. Die Ausbildung des Konzepts Langwierige Geburtswehen gingen der Ausbildung eines Konzepts in den 1890er Jahren voraus. Die Frage kam bereits in den 1860er Jahren auf, der erste ernsthafte Vorschlag wurde aber erst 1872 gemacht. Edouard Besnier de la Pontonerie, der auch in Wien tätig war, stellte sich die Verwirklichung als ein Privatuntemehmen vor, nach dem Muster des Pariser Systems und der Pariser Gebäude. Die Munizipalbehörde meinte aber, dass der Bau nur als Kommunalinvestition in Frage käme. Darüber hinaus kam es nur zur Festlegung der Standorte: drei Plätze in Ofen und sechs in Pest. Im Jahr 1879 wurde eine Lebensmittelversorgungskommission unter dem Vorsitz von Bürgermeister Károly Kamermayer gegründet. Ihr Vorschlag, der 1883 fertig vorlag, legte als Grundprinzip fest, dass (unter Berücksichtigung der ausländischen Erfahrungen) der gleichzeitige Bau einer zentralen und mehrerer Detailhallen dazu nötig wäre, um die Institution funktionsfähig zu machen. Eine prinzipielle Entscheidung erfolgte erst 1889. Im nächsten Jahr wurde die Studie von Staatsbaudirektor Lajos Lechner fertig, und eine andere von dem privaten Architekten Győző Czigler, der sich mit dieser Frage schon früher im Hauptstädtischen Bauamt beschäftigt hatte. In diesen Studien kristallisierten sich einige Grundprinzipien heraus: Die Hallen müssten in der Nähe der bereits existierenden Märkte errichtet werden, nach der Eröffnung müssten die Märkte der Umgebung eingestellt werden, die ansonst wenigen Plätze der Stadt dürften nicht mit den Hallen verbaut werden, diese müssten also in die Bauflucht eingegliedert werden. Die Zentrale Markthalle braucht Straßen-, Bahn- und auch Wasseranschluss, was die Möglichkeiten der Platzierung auf den unteren Abschnitt des Pester Donauufers einengte, in der Nähe des dortigen Frachtbahnhofes (wo eine Flügelbahn zu den Lagerhäusern ohnehin schon gebaut wurde): entweder entlang des Kleinrings oder des Großrings. Schließlich wurde der letztere Plan verwirklicht, weil der Standort zum Stadtzentrum näher lag und damals bereits mit dem Bau der Franz-Josef-Brücke (heute Freiheitsbrücke) gerechnet werden konnte, wodurch die Halle auch von Ofen leicht erreichbar wurde. Man dachte an eine Detailhalle in fast jedem Bezirk, mit Ausnahme der entferntesten (III. und X. Bezirk) sowie des IX., weil hier die zentrale Markthalle gebaut wurde, die gleichzeitig auch ihre eigene Detailhalle war.