Szita László (szerk.): Tanulmányok a török hódoltság és a felszabadító háborúk történetéből. A szigetvári történész konferencia előadásai a város és vár felszabadításának 300. évfordulóján, 1989 (Pécs, 1993)

I. Tanulmányok a török alóli felszabadító háború kérdéseiről - LUDWIG HÜTTL: Die Türkenkriege aus der Sicht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

Reichsheer auf der Basis der Kreiskontingente betrug 40.000 Mann. Seine Ef­fektivität war aber dadurch eingeschränkt, daß die Truppen an allen Fronten ein­gesetzt, die Kräfte folglich zersplittert wurden. Andererseits deckten die im Reich stationierten Verbände die rückwärtigen Linien gegenüber dem expandie­renden Frankreich, so daß die kaiserlichen Kräfte 1683 bis 1689 überwiegend im Osten entfaltet werden konnten. Die Laxenburger Allianz und die Augsburger 79 Liga beruhten ebenfalls auf einer defensiven Option gegenüber Frankreich, um die Offensive in Ungarn zu ermöglichen. Die West- und Ostpolitik des habsbur­gischen Kaisers Leopold I. einschließlich seiner Bündnispolitik mit den See­mächten England und Holland und seiner intensiven Polenpolitik als Flankendeckung sind deshalb als eine Einheit und in ihrer Interdependenz zu sehen. Die Hilfe des Reiches in den Ungarnfeldzügen wurde allerdings wesentlich erschwert durch die zahlreichen Probleme der Transportwege, des Nachschubs, der Bereitstellung von Quartieren. Es wäre eine müßige Frage, ob die Effektivi­tät der Türkenabwehr angesichts der komplexen und komplizierten Struktur des Reiches mit seinen 1789 Mitgliedern und der differenzierten Struktur der einzel­nen, in internen Angelegenheiten gemäß der Reichsverfassung selbständigen Ter­ritorien noch hätte gesteigert werden können. Der Kaiser hatte kein Recht und kein Mittel, in interne Angelegenheiten der Reichsstände einzugreifen. Seine Diplomatie mußte Überzeugungsarbeit leisten. Außerdem war die jeweilige Inter­essenlage der einzelnen Territorien in Süd-, West-, Mittel-, Norddeutschland zu unterschiedlich, um ein gemeinsames Handeln voraussetzen zu können. Die Be­ziehungen der einzelnen Reichsstände zum Kaiser und zu den benachbarten Mächten wie Frankreich, Holland, Schweden, Polen waren gemäß der Bündnis­81 freiheit der Reichsstände einem raschen Wandel unterworfen. Alle Reichsstän­de waren sich zwar prinzipiell rasch einig, daß der „Erbfeind der Christenheit" bekämpft werden müsse, aber über die Frage des Zeitpunkts und der Modalitä­ten, die Höhe der Reichshilfe in Geld, Truppen, Streitrossen, Reit- und Zugtie­ren, Munition und Naturalien aber wurde von Fall zu Fall stets neu diskutiert, und die Zugeständnisse wurden immer wieder neu modifiziert. Eine einheitliche Reichspolitik gegenüber dem osmanischen Reich vom 16. bis zum 18. Jahrhun­dert läßt sich demnach nicht feststellen. Der habsburgische Herrscher war des­halb' vorzugsweise auf die aktive Hilfe einzelner befreundeter Reichsstände angewiesen, da er das gesamte Reich nur selten hinter sich wußte. Es mußten schon dramatische Umstände eintreten, wie die Türkenbelagerungen Wiens 1529 82 und 1683 oder der Verlust einer so bedeutenden Festung wie Neuhäusel in den

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