Arcana Medicinae. Dokumente zur Geschichte der Heilkunst und Arzneikunde
Vorwort
55* 1774- Juli 22. Wien. Vortrag des Hoxkanzlers Graf Blümegen über die Bekämpfung der venerischen Krankheiten. Ausfertigung, mit Resolution Mario Theresias: Hofkanzleiakt vom 6.VIII.1774, Sign.IV L 2, N.Oe., Allgemeines Verwaltungsarchiv. - Die Hofkanzlei hatte im Gegensatz zur niederösterreichischen Regierung, die konkrete Unterbringungsund Behandlungsmöglichkeiten für die Erkrankten vorgeschlagen hatte vor allem Abschreckungsmaßnahmen durch strengste Polizeistrafen und "öffentliche schände" gewünscht. "Die angesteckten Weibspersonen" sollten "in betrettungsfall in ihrem Aufputz mit angehengten Schellen an den Mistkarren gespannter zur StadtSäuberung" verwendet werden. Die Kaiserin entschied hierauf: "Die 'Kanzlei ist zwar ganz recht daran, daß durch gute Polizey-Anstalten, durch Anhaltung der Müssiggänger und Aufsicht auf liederliche Personen diesem Uebel am besten vorgebogen werden möge. Da jedoch eine allzugrosse Strenge nur zur Vertuschung dieser Krankheit, andurch aber zu deren schwererer Heilung und weite ren Ansteckung Anlaß geben würde, und es anbey doch allemal nöthig sein wird, für die Heilung der damit würklich behafteten, und be-