Erzherzog Ludwig Salvator – Ein Leben für die Wissenschaft 1847-1915
LEBENSDATEN - LUDWIG SALVATORS WISSENSCHAFTLICHER WEG UND PERSÖNLICHKEIT
Ganz dem Prinzip der Ordnung folgend hatte Ludwig als Basis für seine geplante Beschreibung der Balearen die Tabulae Ludovicianae erdacht, ausgearbeitet und zur praktischeren Handhabung 1869 in Prag im Selbstverlag drucken lassen. Diese Tafeln, die auch zur unentbehrlichen Grundlage seiner späteren Werke wurden, stellen ein höchst beeindruckendes Kompendium einer Art ausführlicher, nach Themen geordneten bis ins kleinste Detail gehende Frage- bzw. Erhebungsbögen in mehren Sprachen dar, die nicht nur eine lange Reihe von wissenschaftliche Disziplinen, die von der Paläontologie, Geologie, Geographie, Klimakunde, Zoologie und Botanik, über die Geschichte und Archäologie bis hin zur Ethnografie und Linguistik reichen, berühren, sondern auch Bereiche wie Wirtschaft, Handel und Industrie, Bevölkerungsverhältnisse, Gesundheits- und Bildungswesen, Religion und Kirche, Behörden und Kommunikationsmittel einschließen. Tabulae und Methode Besonders auffällig ist der enzyklopädische Charakter der Tabulae, der auch in Ludwigs Werken, ganz besonders jedoch in den Balearen höchst anschaulich in den zahlreichen von ihm selbst angefertigten Illustrationen zum Ausdruck kommt, die Objekte und Gerätschaften nicht nur um ihrer selbst Willen abbilden, sondern stets bestrebt sind, sie in ihrem Umfeld, ihrer Funktionsweise und Handhabung darzustellen Zweifellos entspringt gerade diese für Ludwigs gesamte Arbeitsweise so bestimmende Methode, die er ganz bewußt bereits zu Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit wählt - und wodurch sich sein Werk von anderen, zum Teil auch sehr ambitionierten Reisebeschreibungen aus der Feder Angehöriger von Adelskreisen oder Mitgliedern des Kaiserhauses klar unterscheidet - der aufklärerischen Tradition der habsburgisch- lothringischen Toskaner und findet spezielle Anregung in der von Ludwigs Urgroßvater, Großherzog Pietro Leopoldo, geförderten Ausgabe der Encyclopédie, ou Dictlonnaire Raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers, par une Société de gens de Lettres von Diderot und D’Alembert, die aus einem Text- und einem mehrbändigen Tafelteil besteht. Diderot war nämlich vom optischen Informationswert so sehr überzeugt, daß er meinte, ein auch noch so gut geschriebenes Nachschlagewerk würde links: Zeichnung Ludwig Salvator rechts: Enzyklopädie Diderot 32