Der Beamte – Franz Grillparzer

Einleitung

- 21 ­Maße befindet. Aber es ist hier mehreres zu berück­sichtigen. Erstens war die Schreibseligkeit nicht so sehr die Schoßsünde der früheren als der gegenwärtigen Zeit. Je weiter man in die Jahrhunderte zurückgeht, um so seltener werden die ganz unbedeutenden Stücke. Zweitens ist das Archiv nicht bloß eine Registratur der Priorén und Ge­schäfts-Behelfe. In sämmtlichen Archi­ven zusammen liegt auch die Geschichte des Staates und Landes. Die Altertümer der Verwaltung und Verfaßung, die Wirk­samkeit von Anstalten und Ämtern, die längst nicht mehr bestehen, die aber nicht allein in ihrer Einrichtung und Grundlage, sondern auch in der Art ihrer Ausübung den Schlüßel zu dem Späteren und Heutigen darbieten, Ver­suche und Vorsätze, Sitten und Ge­wohnheiten, Männer und Sachen finden ihr Andenken und ihre Erklärung. Der Unterzeichnete gesteht mit einer Art heiliger Scheu, diesen Spuren ver­gangener Zustände gegenüber zu stehen, und er ist nicht amtlich abgehärtet ge­nug, um bedeutenden Eingriffen in die­sen ehrwürdigen Überfluß anders als mit innern Widerstreben die Hand zu bieten. Letztlich ist in diesen Zeiten der unausgebildeten Geschäftsordnung, wo das Übersichtliche und Systematische ganz unbekannt war, wo der jeweilige Vorsteher der Finanzen in der größten Verlegenheit gewesen wäre, wenn man ihn um den Gesamtbetrag der Einkünfte des Staates auch nur approximativ be-

Next

/
Oldalképek
Tartalom