Der Beamte – Franz Grillparzer

Einleitung

Erachtens tun so mehr Eurer Majestät allergnädigste Anerkennung, als Grill­parzer, um in der bewegten neueren Zeit an ihn gestellten Anforderungen zu ent­sprechen, seiner Neigung zu litterari- schen Arbeiten größtentheils entsagen, somit auf jeden Nebenerwerb, den ihm seine Geistesprodukte gewähren könnten, Verzicht leisten und den Lohn seiner ämtlichen Leistungen in der vollständi­gen Erfüllung seiner Berufspflichten finden müßte. Allein, so gewiß es ist, daß Grill­parzer aus eigener Wahl seine Stellung im administrativen Conceptsfache gegen die Leitung des Archivs vertauschte, und daß er sich mit ganzer Hingebung seinem dermaligen Berufsgeschäfte widmet, so darf ich doch nicht mit Stillschweigen übergehen, daß er, um seine ökonomische Lage zu verbessern, bereits Schritte machte, diesen Zweck durch irgendeine Anstellung bei einer öffentlichen Biblio­thek zu erreichen, welche ihm auch mehr Muße zu litterarischer Beschäftigung ge­währen würde. Eine Aussicht zu einer lukrativeren Stellung würde ihm die Erledigung der mit höheren Genüssen verbundenen Regi­straturs-Direktorsstelle der allge­meinen Hofkammer öffnen. Ich muß je­doch meine Überlegung ehrerbietigst aus­sprechen, daß Grillparzer als Archivs- Direktor ganz an seinem Platze ist, daß es nicht leicht seyn dürfte, ein mit so ausgebreiteten Kenntnissen, wie er sie besitzt, begabtes Individuum für diesen Dienstposten zu finden, daß es demnach dem Diensterfordernisse Zusagen dürfte,-17-

Next

/
Oldalképek
Tartalom