Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Manfried Rauchensteiner: Einleitung

In dieser Situation also entstand der Plan für eine Entlastungsoffensive, zu der man so oder so deutsche Hilfe in Anspruch nehmen wollte. Dabei beherrschten die Verantwortlichen weitgehend widerstrebende Gefühle. Der Krieg gegen Italien wurde als „k. u. k. Privatkrieg“ gesehen (und von den Deutschen auch so bezeichnet), und es geisterte noch immer das Wort von der italienischen „Perfidie“ durch die Köpfe und Gazetten. Den „Erbfeind“, wie ihn auch Kaiser Karl bezeichnete, zu bekämpfen, war daher manchem nach wie vor eine Art Herzenssache. Folglich handelte es sich um eine österreichische Angelegenheit und nicht um eine deutsche. Kaiser Karl war denn auch grundsätzlich von der Idee einer großen Entlastungsoffensive angetan, doch gleichzeitig wollte er aus einer ganzen Reihe von Gründen den Erfolg ausschließlich mit Hilfe seiner eigenen, also der k. u. k. Truppen erringen. Die Deutschen sollten dafür mehr Verantwortung im Osten übernehmen. Nur widerstrebend konnte der österreichische Kaiser schließlich dazu gebracht werden, sich mit einer regelrechten Bitte an den Vetter Wilhelm in Berlin zu wenden. Doch deutscherseits wollte man gerade das, was Karl zu vermeiden trachtete: Die Deutsche Oberste Heeresleitung wollte dem Verbündeten an der Donau nur dann hilfreich zur Seite stehen, wenn die zu verlegenden deutschen Truppen nicht im Osten, sondern an der Italienfront zum Einsatz kämen. Und genau das hatte für die Kriegführung der Mittelmächte nicht nur seine positiven Seiten. Es kam schon im Vorfeld einer gewissen Demütigung Österreich-Ungams gleich, denn ganz offensichtlich schaffte es die k. u. k. Armee nicht mehr aus Eigenem, die Italiener in Schach zu halten. Deutsche Truppen an der Italienfront konnten, ja mussten fast unweigerlich auch eine Verstärkung der Italiener durch Briten und Franzosen zur Folge haben. Mehr noch: Wie würden die USA auf die Deutschen reagieren? Amerika standja im Krieg gegen das Deutsche Reich. Es stand daher wohl zu befürchten, dass die USA ihre Kriegsanstrengungen auf Italien ausdehnen und auch gegen Österreich-Ungarn in den Krieg eintreten würden. Was daher so logisch und verhältnismäßig einfach schien, wollte wohl überlegt werden. Nachdem aber der Erste Quartiermeister der Deutschen Obersten Heeresleitung, General Erich Ludendorff, entschieden hatte, dass sich deutsche Truppen mit mehr als sechs Divisionen kurzfristig am Krieg gegen Italien beteiligen sollten, war die Entscheidung gefallen. Ludendorff prägte auch den Codenamen für das Unternehmen, nämlich „Waffentreue“. Und nachdem man General Waldstätten die Entscheidung mitgeteilt und dieser nach Wien telegrafiert hatte: „Waffentreue gesichert“, war fürs Erste einmal alles klar gestellt. Der Aufmarsch zur gemeinsamen Offensive begann im September - und er war ungemein schwierig. Tausende Züge mussten Soldaten und Kriegsgerät in die Ausladeräume transportieren. Von dort ging es dann im Fußmarsch und oft nur über Saumpfade an die Front. Ein riesiger Geschützpark, Millionen Granaten und Kriegsmittel jeglicher Art, zum Schluss die Versorgung für rund 100.000 Mann, mussten nach vorne gebracht werden. Alles das unter möglichster Geheimhaltung. Auch die eigenen Stäbe sollten lange nicht wissen, welche Überlegungen dem Aufmarsch zugrunde lagen. Und den Soldaten wurde bis zuletzt nichts Konkretes 4

Next

/
Oldalképek
Tartalom