Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917

Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung

Das deutsche Reichsarchivwerk fuhrt hingegen sachlich die völlig unzureichende Nachschublage an. Die Truppe lebte ohnehin von erbeuteten italienischen Lagern, aber Munition kam auch nicht nach vorne. Besonders die österreichischen Lastwagenkolonnen, die im Gegensatz zu den deutschen nicht in der Nacht fahren konnten, hatten Probleme, im schwierigeren Wegenetz des Gebirges die Gruppe Krauß zu versorgen, deren Munitionsausstattung von vornherein zu gering gewesen war und die nun weder bei der Infanterie noch bei der Artillerie über Mengen verfügte, die eine Fortsetzung des Angriffes erlaubt hätten. Dies wurde allerdings von Truppenoffizieren bestritten, die vor Ort eine Weiterführung des Angriffs als durchaus möglich beurteilten. Tatsache ist, dass General Cadoma seit 1916 vorzügliche Stellungen am Grappamassiv und am Piave hatte vorbereiten lassen, in die die italienische Truppen nun einrücken konnten.61 Die Entente verlegte eiligst französische und britische Divisionen nach Italien.62 Die Details dafür (Marschtabellen, Eisenbahn- und Schiffstransport, Unterbringung und Verpflegung) waren bereits nach einem Besuch des französischen Marschalls Foch bei Cadorna am 8. April 1917 von italienischen, französischen und britischen Stäben ausgearbeitet worden.63 Entlastungsangriffe der Heeresgruppe Conrad von Tirol aus waren schlecht vorbereitet und liefen sich fest. Selbst ein unter den gegebenen Umständen kaum durchführbarer erfolgreicher Frontalangriff über den Piave hätte als nächste Flusshindemisse die Brenta und dann die Etsch vor sich gehabt. General v. Below sah keine Erfolgsaussichten für eine Weiterführung des Angriffes, zumal auch die Italiener aus ihren Fehlem bei Flitsch-Tolmein gelernt hatten und sich nun energisch verteidigten. General v. Below schlug daher am 29. November Erzherzog Eugen die Einstellung der Offensive vor. Am 3. Dezember wurde der Halt-Befehl erteilt. Die Gruppe Krauß setzte zur Verschleierung ihre Angriffe im Brenta- und im Piavetal fort, stieß aber bereits im Grappamassiv, das festungsartig ausgebaut worden war, auf massiven italienischen Widerstand. Man führte die Gefechte mit der Absicht, die Stellungen zu verbessern, noch eine Weile fort. Der nun endgültig einsetzende Winter machte aber die meisten dieser Bemühungen zunichte. Am 14. Dezember 1917 entschied die Deutsche Oberste Heeresleitung an weiteren Operationen nicht mehr teilzunehmen.64 Der deutsche Verbündete begann sich zurück zu ziehen. Statt des abgezogenen deutschen 14. Armeeoberkommandos übernahm das k. u. k 6. Armeekommando die Führung am Piave. 61 Schäfer: Schlachtfeldführer, S. 103. 62 Die Nachrichtenabteilung der Deutschen Obersten Heeresleitung meldet am 28. November bereits 16 alliierte Divisionen in Italien. Vgl. dazu: Krafft: Durchbruch am Isonzo II, S. 242. 63 Cadoma rechnete offensichtlich seit dem Frühjahr 1917 mit einem österr. Angriff. Vgl. dazu: Falls: Caporetto, S. 23. 64 K r a f f t: Durchbruch am Isonzo II, S. 247. 31

Next

/
Oldalképek
Tartalom