Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917
Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung
den Angriff der k. k. 22. Schützendivision zu unterstützen. Nach späteren Berichten wurde Phosgen („Grünkreuz“)49 als Kampfstoff verwendet, ein Anteil an Blaukreuz wäre aber nicht auszuschließen. Besonders genau schießende Langrohrkanonen wurden auf jedes einzelne italienische Kavernengeschütz in den Berghängen angesetzt. Sie sollten schießen, bis ein Volltreffer erzielt worden war. Nach zweistündiger Pause setzte um 6:30 Uhr mit Sprenggranaten das Zerstörungsfeuer der gesamten deutschen und österreichischen Artillerie ein, dem sich um 7:00 Uhr die Minenwerfer anschlossen, deren Feuer unmittelbar auf die erste italienische Stellung gerichtet war.50 Nach diesem mit nur eineinhalb Stunden extrem kurzen aber mit höchstmöglicher Geschwindigkeit abgegebenen Feuerschlag trat um 8:00 Uhr die Infanterie auf der gesamten Front von Duino an der Adria bis zum Rombon zum Angriff an. Am Abend des ersten Tages hatten die Angriffstruppen die vordersten italienischen Linien an mehreren Stelle durchbrochen, teilweise die zweite und an entscheidenden Stellen auch die dritte Stellung überwunden. Die im Flitscher Becken angreifende Gruppe Krauß war durch mehrere italienische Stellungen auf Saga vorgestoßen und bereitete sich auf die Erstürmung des Stolrückens vor. Im Becken von Tóiméin war die deutsche 12. Division der Gruppe Stein, begünstigt durch das regnerische Wetter, welches der mächtigen italienischen Artillerie die Talsicht nahm, das Isonzotal entlang über Idersko und Karfreit in das Natisonetal 27 Kilometer tief durchgebrochen und traf dort auf die Verteidiger des Matajurmassivs. Das Alpenkorps hatte die dritte italienische Stellung am Kolovratrücken erreicht. Die 200. Division lag vor der zweiten italienischen Stellung. Bei der Gruppe Scotti hatte die k. u. k. 1. Inf Div die erste und zweite italienische Stellung durchbrochen und ging gegen die dritte Stellung vor. Die Durchbrüche war durch das massive Feuer der schweren deutscher Minenwerfer entscheidend gefördert worden. Die weiter hinten liegenden Stellungen waren aber vielfach von Artilleriefeuer unberührt geblieben. Artilleriefeuerunterstützung ließ sich durch die Sturmtruppe nur in den wenigsten Fällen anfordem, wo es gelungen war, sofort Femsprechleitungen nachzuziehen. Die angreifende Truppe verfügte zur Feuerunterstützung meist nur mehr über die mitgetragenen Maschinengewehre. Auf diesem Gebiet hatten die deutschen Verbündeten eine wesentlich bessere und reichhaltigere Ausstattung als die 49 Heydendorff, Walther: Der Gaswerferangriff bei Flitsch am 24. Oktober 1917. ln: Militärwissenschaftliche Mitteilungen 65 (1934), S. 311-317. 50 Nach heutiger militärischer Terminologie handelte es sich um überschwere Granatwerfer (üsGrW) von 170 mm und 240 mm Kaliber bei den Deutschen und 140 mm und 220 mm Kaliber bei den Österreichern. 27