Manfried Rauchensteiner: Waffentreue – Die 12. Isonzoschlacht 1917
Franz Felberbauer: Die 12. Isonzoschlacht: Der Operationsplan und seine Durchführung
deutschen Soldaten waren in der ganzen Stadt zu sehen, nicht gerade im Sinne der sonst strikt gehandhabten Geheimhaltung und Tarnung.44 Die Schlacht Für den Beginn der Offensive plante Berendt vor dem Infanterieangriff statt tagelangem Trommelfeuer lediglich zwei Feuerschläge der Artillerie. Am Angriffstag sollte die mittlere und schwere Artillerie ab 2:00 Uhr feuern und nicht zuletzt die gesamte Gasmunition auf die beiden hinteren der drei italienischen Stellungslinien sowie auf die italienischen Artillerie- und Befehlsstellen verschießen. Es kam das sogenannte „Buntschießen“ zur Anwendung, das heißt es wurden mindestens zwei Kampfgase zusammen eingesetzt. Erstmals kam das neuentwickelte „Blaukreuz“ (Diphenylarsinchlorid) zum Einsatz,45 welches an sich nicht unbedingt tödlich war, dessen feinste Schwebstoffteilchen aber durch die Gasmaskenfilter drangen und heftigen Husten und Niesreiz („Kotzgas“) auslösten, der die Soldaten zum Herunterreißen der Atemschutzmasken46 zwang und damit der tödlichen Wirkung des gleichzeitig verschossenen Lungengiftes Phosgen („Grünkreuz“) aussetzte. Durch dieses Gasschießen dürften wesentliche Teile der italienischen Artillerie ausgeschaltet worden sein.47 Beschwerde des MilKdo Graz, KA, NFA, Karton 581/1917 AOK-Op.Op geh 450/129 v. 25.9.1917. 45 Um den Artilleriebedienungen, die ihre Geschütze mit aufgesetzten Gasmasken bedienen mussten, die Identifizierung zu erleichtern, hatten die deutschen Gasgranaten deutlich sichtbare farbige Kreuze aufgemalt. Gelbkreuz, ein lang im Gelände haftendes Hautgift („Senfgas“), kam logischerweise nicht zur Anwendung, weil es das Gebiet auch für die Angriffstruppen verseucht hätte. Die Abteilung Rommel des Württembergischen Gebirgs-Bataillons, die mehrere italienische Batteriestellungen einnahm, die von ihren Bedienungen infolge des Gasbeschusses verlassen worden waren, meldete keinerlei verbliebene Gase. 46 In einem der sehr seltenen Augenzeugenberichte beschreibt der österreichische Artillerieoberleutnant Fritz Weber, der nach dem Durchbruch die italienischen Reservestellungen bei Flitsch besichtigte, dass nach der Position der Toten die italienischen Soldaten in voller Gefechtsbereitschaft vom Gas völlig überrascht worden wären und ihre (unwirksamen) Masken gar nicht aufgesetzt hatten. Vgl. dazu: Weber, Fritz: Menschenmauer am Isonzo. Leipzig-Wien- Berlin 1932, S. 98 f. 47 Die Abteilung Rommel traf beim Anstieg auf den Kolovratrücken auf zwei völlig intakte italienische Batteriestellungen, die offenbar unter Gasbeschuss genommen und von den Bedienungen fluchtartig verlassen worden waren. Vgl. dazu: Rommel, Erwin: Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung. Potsdam 12. Aufl. 1942, S. 269. 25