Historische Momente polnisch-österreichischer Beziehungen vom 14. – 20. Jh.

Jerzy Gaul, Warschau: Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Österreich vom 14.-20. Jahrhundert

die Leitung des Landesmarschalls arbeitete. Der Landtag besaß eine sehr breite Kompetenz und war für Kultur, öffentliche Bauten, Wohltätigkeitsanstalten (Krankenhäuser, Waisenhäuser), Land- und Forstwirtschaft, Unterricht, Steuern, Gemeinde- und Kreisverwaltung zuständig. Seit Juni 1869 war die polnische Sprache zur Amtssprache geworden, wodurch die Verwaltung und das Schulwesen polonisiert wurden. Die Zentralregierung wurde durch den von Wien nominierten Staatshalter (von 1871 bis 1915 war der Chef der Landesverwaltung immer ein Pole) und die ihm unterstehenden Starosten vertreten. Allmählich hat Galizien auch die bürgerlichen Freiheiten, die Freiheit der Presse (1862), die Freiheit von Wissenschaft und Unterricht (1867) und das freie Vereinsrecht (1867) erlangt. 1871 wurde in der österreichischen Regierung ein besonderes Ressort für Galizien gebildet, das von polnischen Ministern geleitet wurde. Als Folge der Autonomie entwickelte sich in Galizien die Freiheit des nationalen Lebens nicht nur in der Ausübung der Ämter durch die Polen, sondern auch in der Entwicklung eigener kultureller und schulischer Einrichtungen, besonders der Universitäten in Krakau und Lemberg. Ab 1872 gab es in Krakau eine Akademie der Wissenschaften und ab 1901 in Lemberg die Vereine zur Unterstützung der Polnischen Wissenschaft. Daneben förderte die Autonomie Galiziens die Entwicklung gesellschaftlicher, wissenschaftlicher und kultureller Einrichtungen und Vereine sowie des wissenschaftlichen und kulturellen Zeitschriftenwesens. In Krakau wurden u. a. die „Polnische Rundschau” (1866), die bis heute tätige jesuitische „Allgemeine Rundschau” (1884) und die „Landwirtschaftliche Wochenschrift” (1884), in Lemberg 11

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