Historische Momente polnisch-österreichischer Beziehungen vom 14. – 20. Jh.
Jerzy Gaul, Warschau: Zur Geschichte der Beziehungen zwischen Polen und Österreich vom 14.-20. Jahrhundert
Bauern. Diese Politik endete mit den tragischen Ereignissen von 1846 - dem galizischen Aufstand und dem Massenmord des Adels. Die nächstfolgende Epoche in der Geschichte Österreichs begann mit der Revolution von 1848, die eine lang anhaltende Krise der Monarchie zur Folge hatte. Nach der Übernahme der Krone durch den 18-jährigen Kaiser Franz Joseph I. (1848-1916) versuchten Dynastie und Regierung, die Schwierigkeiten zuerst (1849— 1859) durch die Rückkehr zum Absolutismus, zu überwinden. In den Jahren 1860- 1867 kam es dann zu verschiedenen Versuchen, dem Staat eine konstitutionelle Form zu geben. Das Oktoberdiplom von 1860, das durch den Staatsminister Agenor Gotuchowski (1812-1875) vorgelegt wurde, teilte die Legislative zwischen einem gesamtstaatlichen Reichsrat, der auch für Ungarn zuständig sein sollte, und den Landtagen der Länder. Der um einen Ausgleich zwischen föderalistischen und zentralistischen Tendenzen bemühte Entwurf Gotuchowskis erregte den Widerstand der liberalen deutschen Zentralisten. Der Ministerpräsident der neuen Regierung Anton Schmerling stärkte im Februarpatent von 1861 die Stellung des Reichsrates gegenüber den Landtagen. Von den zwei Häusern des Reichsrats wurde das Herrenhaus durch den Kaiser nominiert, während die Mitglieder des Abgeordnetenhauses nach einem sehr beschränkten Zensuswahlrecht in den Ländern gewählt und dann von den Landtagen entsandt wurden. Die Niederlage Österreichs im Krieg gegen Preußen 1866 brachte die Verfassungskrise erneut zum Ausbruch und zwang die geschwächte Monarchie, um jeden Preis den alten Streit mit Ungarn beizulegen. Anstatt des Föderalismus in der 9