1705 – Was vor 300 Jahren geschah…

5. Europa im Krieg

worden sind, möge Prinz Eugen angesichts der langjährigen Dienste Castelbarcos gegenüber dem Haus Habsburg „seinem lieben und getreuen Diener“ Beistand und Hilfe angedeihen lassen. Emst Dieter Petritsch 5. Europa im Krieg Mit Ausnahme Spaniens, wo den vereinigten englisch-holländischen Truppen im Oktober die Eroberung Barcelonas gelang, konnte im Jahr 1705 von Seiten der anti-französischen Koalition auf den diversen Kriegsschauplätzen des Spanischen Erbfolgekrieges nicht an die großen Erfolge des Jahres 1704 angeschlossen werden. Markgraf Ludwig von Baden wollte zunächst die Pläne Marlboroughs, von der Mosel her gegen Frankreich zu marschieren, nicht unterstützen, sondern bevorzugte Operationen am Oberrhein. Dort verging allerdings die meiste Zeit mit kleineren, ergebnislosen Geplänkeln; der schlechte Zustand der kaiserlichen Armee sowie die Eigenmächtigkeiten und das angespannte Verhältnis zwischen den einzelnen deutschen Fürsten lassen das durchaus verständlich erscheinen. Nach Mitte Juni war der englische Oberbefehlshaber schließlich - nach Hilferufen der Niederlande angesichts französischer Erfolge unter Villeroy - gezwungen, an die Maas zu marschieren. In der Folge hemmte ihn dort die geringe Risikofreude der holländischen Felddeputierten. In Italien geriet der Vorstoß des Prinzen Eugen in die Lombardei zur Entlastung des Herzogs von Savoyen ins Stocken. Immerhin mussten die Franzosen aufgmnd dieses Feldzuges Truppenkontingente aus Piemont abziehen, wodurch die Lage des Herzogs verbessert wurde und die Franzosen die schon begonnene Belagerung von Turin nicht fortsetzen konnten. In Bayern hatte das strenge Regime der österreichischen Besatzer - insbesondere seit dem Regierungsantritt Josephs L, der mit seinem Schwager Max Emanuel von Bayern persönlich verfeindet war - einen Bauernaufstand zur Folge, der sich bedrohlich in Richtung der Erblande ausweitete. Neben dem großen Krieg im Westen und Süden Europas nahm auch der Krieg im Norden - der Dritte oder Große Nordische Krieg - einen immer größeren Umfang an. Karl XII. von Schweden (1697-1718) setzte seine Feldzüge gegen August von Sachsen unablässig fort und wurde dabei durch ein Bündnis mit dem von ihm eingesetzten Gegenkönig Stanislaus Leszczynski unterstützt, zu dessen Gunsten August der Starke schließlich vorübergehend auf die polnische Krone verzichten musste. Gefährlich war diese Entwicklung für die Habsburgermonarchie durch die räumliche Nähe zur Aufstandsbewegung in Ungarn. Die Versuche Kaiser

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