700 Jahre Schweiz
II. Von der Habsburg nach Österreich
Drängen von Abt Gerbert wurde die Angelegenheit innerhalb von drei Monaten durchgezogen. Kloster St. Blasien war durch einen Großbrand am 23. Juli 1768 weitgehend zerstört worden. Vielleicht wollte sich der Abt durch die Errichtung dieser Habsburger-Grabstätte das Wohlwollen des Kaiserhauses in einer bereits spürbaren Epoche der Klösterfeindlichkeit sichern. Das Projekt für den Neubau von Kirche und Kloster sah schon im Dezember 1769 die Anlage der Kirche nach dem Vorbild des römischen Pantheons vor; die ursprünglich geplante Gruftkirche unter dieser Rotunde entfiel dann allerdings doch. Die 13 Särge wurden im Geschoß unter der alten Sakristei aufgestellt, bis sie 1806 nach Spital/Pyhrn und 1809 nach St. Paul im Lavanttal kamen. Die Übertragung der 11 Särge aus Königsfelden und der zwei aus Basel wurde dem k. k. Residenten Josef von Nagel als Kommissär anvertraut. Er überwachte mit Abgeordneten der vorderösterreichischen Regierung den förmlichen Festzug, der am 15. November 1770 in St. Blasien endete. Obere Hälfte der Krypta: Kenotaph („Tumulus marmoreus“) in der Stiftskirche von Königsfelden, um die Stelle zu bezeichnen, an der sich unten die Gruft befindet. Am Baldachin werden die Inschriften in gotischer Minuskel wiedergegeben. An den Ecken sind die Wappen des Aargaus, Ungarns und Österreichs angebracht. Dieser Kenotaph befindet sich noch heute in der Kirche von Königsfelden. Untere Hälfte der Krypta: In der Mitte werden drei kleinere Särge und seitlich je vier Särge übereinander abgebildet. Hier sind vor allem die Skelette der Herzogin Elisabeth (von Virneburg [ca. 1303-1343], Witwe Herzog Heinrichs, eines Sohnes König Albrechts I.) und der Guta Gräfin von Öttingen (einer Tochter Albrechts I. [ca. 1302-1329]) bemerkenswert. Im Textteil seiner „Taphographia“ beschreibt Martin Gerbert den Erhaltungszustand der Leichname und weist auf allerlei Besonderheiten hin, wie etwa Wucherungen am Skelett Heinrichs, die von den in der Schlacht bei Mühldorf/Inn (1322) erlittenen Verwundungen herrührten. Lit.: Floridus Röhbig Königsfelden in Die Zeit der frühen Habsburger. Dome und Klöster 1279-1379. Katalog der N.Ö. Landesausstellung (Wiener Neustadt 1979) S. 239 ff; Das tausendjährige St. Blasien. 200jähriges Domjubiläum. Katalog der Ausstellung (St. Blasien 1983) 2 Bände. Das Bd. 1 S. 90 angegebene Datum 14. Januar 1770 für die Translation muß berichtigt werden; Johannes Guth Das Benediktinerkloster St. Blasien und seine Beziehung zum Stift St. Paul in Schatzhaus Kärnten. Katalog der Landesausstellung 2 (St. Paul 1991) S. 237-253 und Katalogbeiträge in 1 S. 284-292. Sp 34