700 Jahre Schweiz
II. Von der Habsburg nach Österreich
Porträts und Wappen der mit Herzog Leopold III. von Österreich bei Sempach gefallenen Herren, Ritter und Knechte [nach 1574] Papierhandschrift mit 133 Aquarellen, 79 Folien (moderne Foliierung); 22,5 cm x 33,7 cm x 3 cm HHStA Handschrift W 1030 Einen weit tieferen Eindruck als die erste Niederlage eines österreichischhabsburgischen Ritterheeres gegen die Eidgenossen bei Morgarten 1315 machte auf die Zeitgenossen jene von Sempach (9. Juli 1386). Es mag dabei mitspielen, daß der Fürst, für den das Heer aufgestellt worden war, kämpfend „alz ein leo“ in der Schlacht gefallen war. Leopold III. sah sich bald nach Antritt seiner Herrschaft in den vorländischen Besitzungen mit Bündnissen antihabsburgischer Städte konfrontiert, die in die Rechte seiner Amtleute eingriffen wie z. B. Luzern, das Sempach in sein Bürgerrecht aufnahm. Friedensvorschläge von österreichischer Seite wurden von Luzern nicht akzeptiert, das bei den drei Urkantonen Unterstützung fand. Das Kampfgeschehen selbst läßt sich aufgrund der unzureichenden Quellenlage nicht bis in jede Einzelheit nachvollziehen. So ist u. a. auch der entscheidende Einsatz Winkelrieds nicht mit Aussagen von „Zeitzeugen“ zu belegen. Eine zweifellos nur wenig später abgefaßte Darstellung, die noch von schockartiger Reaktion geprägt ist, findet sich als Abschluß der „Österreichischen Chronik von den 95 Herrschaften“: Der Autor zählt die prominentesten Gefallenen aus Leopolds Kontingenten auf - darunter Markgraf Otto von Hochberg (fol. 50v des hier ausgestellten Codex), den Truchseß von Waldburg und Südtiroler Herren - und weiß sich eins mit der österreichischen Argumentation, daß der für die gerechte Sache, d. h. für die Erhaltung des väterlichen Erbes, kämpfende Herzog von den eigenen Untertanen erschlagen wurde. Ist dies der Grund, der das Interesse nachfolgender Generationen in einem Maß wachhielt, daß im 3. Viertel des 16. und des 17. Jahrhunderts zwei Handschriften dieses Thema nach Art eines Bilderbuches auf griffen? Neben dem „Schweizer Wappenbuch“ (siehe n. 18) ist es der vorliegende Codex, der Seite für Seite die namentlich Bekannten vorstellt und sie auf ihrem Wappenschild knieend, mit zum Gebet erhobenen Händen in Profilansicht abbildet, - selbstverständlich ohne Porträtähnlichkeit zu bezwecken. Im Bestreben, den fraglichen Personenkreis wahrheitsgetreu zu erfassen, stützt sich der Verfasser auf österreichische und Schweizer Chroniken, so z. B. jene schon genannte „Österreichische Chronik“, wie auch der Maler der Aquarelle bemüht ist, 200 Jahre nach dem Ereignis die Dargestellten in authentischer Kleidung, d. h. im Harnisch der Zeit, vorzuführen. Dem Spezialisten der historischen Waffenkunde bietet sich somit die Möglichkeit, Verständnis (oder 8 18